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MyBricks: Star Wars Display Stand

Wenn LEGO es nicht macht:
Mein Kenner „First 12“-Display als LEGO Star Wars MOC

A Display Appears

Manchmal reicht ein einziges LEGO-Gerücht, und im Kopf entsteht sofort ein komplettes MOC. Genau so fing dieses Projekt an. In einem LEGO-Leak-Video hörte ich zum ersten Mal von einem kommenden LEGO-Star-Wars-Set mit der Nummer 75477. Damals war zunächst von einer „Minifigure Vignette“ die Rede, also offenbar einem Display für Star-Wars-Minifiguren. Als Vergleich drängte sich das LEGO NINJAGO Set 71866 „Ninja Character Display 15th Anniversary“ geradezu auf, das ebenfalls als Präsentationsmodell für Minifiguren gedacht ist.

Bei den Begriffen „Star Wars“, „Minifiguren“ und „Display“ hatte ich allerdings sofort etwas ganz anderes vor Augen: den legendären 1978 Kenner Mail-Order-Stand, natürlich mit den berühmten First 12. Für Star-Wars-Sammler ist dieser Stand ein echtes Stück Geschichte. Kenner bot ihn Ende der 1970er-Jahre unter anderem als Mail-Order-Artikel an, und er war dafür gedacht, die zwölf Actionfiguren zu präsentieren.

Der Kenner-Versandhandelsständer von 1978 ist ein Vintage-Ausstellungsstück, das für die ersten 12 Actionfiguren der „Star Wars“-Reihe entworfen wurde. Er verfügt über eine Pappkulisse mit einzelnen, drehbaren Fußstiften zur Befestigung der Figuren. Dieser Ständer war ein Versandangebot von Kenner, das ikonische Figuren aus „Star Wars“ präsentierte.

Genau diese Verbindung machte die Idee für mich sofort interessant. Wenn LEGO ein Star-Wars-Minifiguren-Display im Stil dieses alten Kenner-Stands herausbringen würde – mit den First 12 als LEGO-Minifiguren –, wäre meine Reaktion ziemlich eindeutig gewesen: Shut up and take my money.

Allerdings kam praktisch im selben Moment der zweite Gedanke hinterher: LEGO wird das natürlich nicht machen. Never ever!
Das wäre schließlich zu naheliegend, zu nostalgisch und vermutlich auch zu genau auf die Leute zugeschnitten, die tatsächlich bereit wären, für so etwas Geld auszugeben. Man könnte fast meinen, das wäre ein vernünftiges Konzept für ein Erwachsenen-Set.

Gerade so eine kompromisslos nostalgische Umsetzung wäre die Art von Set, mit der man uns Ancient-Sith-Fans erwischen könnte, also diejenigen OT-Fans, die das Original Kenner-Spielzeug der späten 1970er begeistern können. Und ja, für so etwas wären einige von uns vermutlich sogar bereit, ziemlich viel Geld auszugeben. Vielleicht liegt genau darin das Problem: Es wäre zu einfach, den Fans genau das zu geben, was sie eigentlich wollen.

The Rumors Strike Back

Mit der Zeit wurden die Informationen zu 75477 konkreter, und wenig überraschend stellte sich heraus, dass die Sache offenbar in eine ganz andere Richtung geht. Zum aktuellen Stand soll das Set unter dem Namen Icons of Star Wars erscheinen und drei kleine Bereiche zu Tatooine, Hoth und Endor enthalten, ergänzt um Microscale-Versionen klassischer Star-Wars-Fahrzeuge und mehrere Minifiguren.

Auch wenn das nicht das ist, was ich mir ursprünglich gewünscht hatte, klingt die Idee im ersten Moment durchaus brauchbar. Drei klassische Schauplätze, ein paar ikonische Schiffe und einige passende Minifiguren – daraus könnte man eigentlich ein schönes kleines Star-Wars-Display machen. Das Grundkonzept ist also gar nicht das Problem.

Trotzdem gehe ich erst einmal davon aus, dass LEGO es irgendwie schaffen wird, auch diese Idee bei der Umsetzung zu versauen. Vielleicht bin ich inzwischen einfach zu lange LEGO-Star-Wars-Fan, aber die Erfahrung sagt mir: Zwischen einer brauchbaren Set-Idee und dem fertigen Produkt liegen noch erstaunlich viele Möglichkeiten für fragwürdige Designentscheidungen, unnötige Kompromisse und einen Preis, bei dem man sich fragt, ob irgendwo heimlich noch ein zweites Set im Karton liegt.

Für mich bleibt die Idee eines modernen Kenner-Displays mit zwölf Minifiguren trotzdem wesentlich spannender. Ein Set, das sich klar auf ein historisches Star-Wars-Sammlerstück bezieht, sofort wiedererkennbar ist und tatsächlich etwas Eigenständiges macht. Vermutlich also genau deshalb nichts, was LEGO daraus machen würde.

Und damit war die logische Konsequenz eigentlich schon klar: Wenn LEGO es nicht baut, muss man es eben selbst machen.

Also begann ich im Studio 2.0 , einen entsprechenden MOC digital zu konstruieren.

Building the Rebellion

Wie bei meinen anderen Modellen gab es dabei von Anfang an eine feste Größenbeschränkung. Meine MOCs sollen in meine TINGLAND-Acrylvitrinen passen, wodurch mir maximal ungefähr 30 × 17 Studs Grundfläche und rund 12 Bricks Höhe zur Verfügung stehen.

Das klingt zunächst nach ausreichend Platz, wird aber erstaunlich knapp, sobald darauf zwölf Minifiguren, eine mehrstufige Präsentationsfläche und zusätzlich eine große Rückwand untergebracht werden sollen. Gleichzeitig sollte das Modell trotz der notwendigen Anpassungen auf den ersten Blick eindeutig als Hommage an den alten Kenner-Stand erkennbar bleiben.

Eine direkte Übernahme der Figurenanordnung des Originals funktionierte deshalb nicht besonders gut. Zwei klassische Sechserreihen hätten auf der begrenzten Grundfläche zu viel Platz verbraucht und die hinteren Figuren optisch zu stark verdeckt. Nach einigen Versuchen landete ich schließlich bei einer Anordnung aus drei Reihen mit fünf, vier und drei Figuren.

Dadurch lassen sich alle zwölf Charaktere gut erkennen, und gleichzeitig bekommt das Modell deutlich mehr Tiefe. Die drei Ebenen liegen jeweils ungefähr einen Brick auseinander, während die Vorderkanten mit Slopes abgeschrägt sind. Dadurch wirkt die Basis nicht wie ein einfacher rechteckiger Block, sondern stärker wie ein bewusst gestaltetes Präsentationsdisplay.

Behind the Figures

Besonders wichtig war natürlich die Rückwand, denn beim historischen Kenner-Display ist genau sie eines der prägendsten Gestaltungselemente. Ohne diese große, farbige Star-Wars-Grafik wäre der Stand letztlich nur eine graue Basis mit zwölf Figuren.

Meine Rückwand ist deshalb als senkrechte Plate-Konstruktion mit 30 Studs Breite und 13 Studs Höhe aufgebaut. Damit sie möglichst flach bleibt und trotzdem stabil mit der Basis verbunden werden kann, habe ich mit SNOT-Techniken gearbeitet. Modified Bricks und entsprechende Verbindungselemente halten die vertikale Fläche an den Stützen der Basis, während die eigentliche Konstruktion von vorne weitgehend unsichtbar bleibt.

Nachdem ich mit der digitalen Version zufrieden war, ging es an den realen Bau. Wie bei vielen meiner MOCs habe ich dafür hauptsächlich GoBricks-Steine über Brickwith verwendet. Trotzdem musste ich die digitale Konstruktion an einigen Stellen erneut anpassen, weil nicht jedes im Studio verwendete LEGO-Element in einer passenden Alternative verfügbar war. Ein Beispiel war bei diesem Projekt das Element 7904.

Solche Anpassungen gehören inzwischen fast automatisch dazu. Manche LEGO-Elemente werden von alternativen Herstellern schlicht nicht angeboten, und damit landet man schnell beim Thema Designschutz. LEGO versucht seit Jahren, einzelne Steinformen rechtlich abzusichern – teilweise erfolgreich, teilweise nicht. Wie weit dieser Schutz tatsächlich reicht, beschäftigt weiterhin die europäischen Gerichte.

LEGO hat dabei nach meinem Geschmack gelegentlich eine recht großzügige Vorstellung davon, was alles exklusiv LEGO gehören sollte. Ob diese Ansprüche jeweils Bestand haben, entscheiden am Ende allerdings die Gerichte. Für den MOC-Bauer ist das Ergebnis wesentlich einfacher: Gibt es das benötigte Teil nicht, wird eben umgebaut – manchmal wegen eines einzigen Spezialsteins gleich ein größerer Teil der Konstruktion.
Am Ende ist mir eine kleine konstruktive Umleitung ohnehin lieber, als für jeden Stein das LEGO-Logo mitzufinanzieren.

Dafür bietet GoBricks eine deutlich größere Auswahl an Farben und vor allem an Teil-Farb-Kombinationen als das originale LEGO-Sortiment. Viele Steine sind dort in Farben erhältlich, in denen LEGO sie gar nicht oder längst nicht mehr produziert.

The First Twelve

Ein „First 12“-Display ohne die First 12 wäre natürlich ziemlich sinnlos. Bei den Figuren habe ich mich allerdings nicht auf originale LEGO-Minifiguren beschränkt. Die zwölf Charaktere bestehen aus Figuren von zwei chinesischen Anbietern sowie einigen zusätzlichen Teilen von BrickLink.

Für dieses konkrete Projekt haben mich einige dieser alternativen Figuren optisch schlicht mehr überzeugt und waren gleichzeitig deutlich günstiger als manche entsprechenden LEGO-Minifiguren auf dem Sammlermarkt. Was bei einigen älteren LEGO-Star-Wars-Figuren inzwischen für Preise aufgerufen werden, hat ohnehin nur noch sehr begrenzt etwas mit ein paar Gramm bedrucktem ABS zu tun.

Mein Ziel war aber sowieso nicht, zwölf besonders seltene oder wertvolle Originalfiguren auf dem Stand zu präsentieren. Ich wollte die klassischen Kenner „First 12“ möglichst überzeugend als LEGO-Minifiguren interpretieren. Ob auf der Rückseite jedes Torsos das richtige Firmenlogo steht, ist mir dabei deutlich weniger wichtig als die Frage, ob die Figuren auf dem fertigen Display gut aussehen.

Das Display als Ganzes sollte im Mittelpunkt stehen. Die Figuren sind ein wichtiger Teil davon, aber erst zusammen mit Basis, Staffelung und Rückwand entsteht die Wirkung, die ich vom historischen Kenner-Stand übernehmen wollte.

Art of Rebellion

Damit fehlte allerdings noch ein entscheidendes Element: die Grafik. Der originale Kenner-Stand lebt stark von seiner großen illustrierten Rückwand, und genau dieses Gefühl wollte ich auch in meinem MOC wieder aufgreifen.

Eine Grafik über zahlreiche einzelne Tiles hinweg zu drucken, kam für mich dabei nicht infrage. So weit vertraue ich meinem SteinDrucker (noch) nicht. Deshalb entschied ich mich für drei separate Bereiche. Das zentrale Motiv befindet sich auf einer großen 16 × 8 Tile und bildet das Kernstück der Rückwand. Links und rechts davon sitzen zwei weitere Motive, die das Ganze verbreitern und gleichzeitig zusätzliche klassische Star-Wars-Bildsprache hineinbringen.

Für das zentrale Motiv habe ich mir mit ChatGPT-Unterstützung eine Interpretation des historischen Kenner-Artworks im LEGO-Stil erstellen lassen. Für die beiden seitlichen Bereiche dienten klassische Star-Wars-Poster als Vorlage, die ebenfalls in eine passende LEGO-Ästhetik übertragen wurden.

Dadurch ist die Rückwand keine exakte Kopie des historischen Originals, sondern eher eine Neuinterpretation. Genau das war aber auch beabsichtigt. Das Modell sollte aussehen, als hätte es dieses Display vielleicht irgendwann tatsächlich als LEGO-Star-Wars-Sammlerset geben können – nur eben aus einer alternativen Realität, in der man sich bei LEGO gedacht hätte: „Wir machen jetzt einfach mal das offensichtliche coole Ding.“

Kenner 1978 trifft LEGO Star Wars. Ohne drei Mini-Dioramen, ohne zwanghaft irgendwo noch einen Microscale Millennium Falcon hineinzuquetschen und ohne die Idee so lange durch die Produktplanung zu drehen, bis von der ursprünglichen Inspiration kaum noch etwas übrig ist.

Return of Kenner

Am Ende ist damit ziemlich genau das entstanden, was ich nach dem ersten Gerücht zu 75477 sofort im Kopf hatte: ein kompaktes Star-Wars-Minifiguren-Display mit zwölf klassischen Charakteren, einer großen plakativ gestalteten Rückwand und einer deutlichen Hommage an das Kenner-Design der späten 1970er.

Gleichzeitig ist es kein einfacher Nachbau des Originals, sondern ein eigenständiger MOC, der innerhalb meiner üblichen Größenbeschränkungen funktioniert und problemlos in die Acrylvitrine passt.

Natürlich hätte LEGO ein solches Set anders umgesetzt. Vermutlich mit weniger Figuren, mehr Teilen, einem schwarzen 18+-Karton und einem Preis, bei dem man sich anschließend erklären lassen darf, dass das Modell schließlich für erwachsene Sammler gedacht ist.

Und vielleicht wird das tatsächliche 75477 am Ende sogar gut. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Die bisher bekannte Richtung bestätigt für mich aber wieder einmal ein Muster: LEGO hat eine interessante Grundidee, und meine erste Reaktion ist Begeisterung. Dann erfährt man mehr über die tatsächliche Umsetzung und denkt sich irgendwann: Ach so. Ja. Natürlich.

Aber genau deshalb mag ich MOCs.

Man muss nicht darauf warten, dass LEGO irgendwann genau das Set produziert, das man selbst gerne hätte. Man braucht keine Produktmanager, keine Zielgruppenanalyse und keine interne Vorgabe, dass unbedingt noch Tatooine, Hoth und Endor gleichzeitig vorkommen müssen. Man nimmt die Idee, überlegt sich, was man selbst daraus machen möchte, und baut genau das.

In diesem Fall war die Ausgangsidee für mich stärker als das, was sich bisher als offizielles beziehungsweise gerüchteweises Konzept abzeichnet. Also habe ich meine Version gebaut.

Oder anders gesagt: Schöne Idee, LEGO. Danke für die Inspiration. Den Rest mache ich lieber selbst.

Another MOC Begins

Und das nächste Beispiel dafür steht bereits an. Auch zum für 2027 gerüchteweise geplanten LEGO Star Wars Movie Theatre habe ich ein paar eigene Vorstellungen.

Denn auch dort sieht es momentan wieder so aus, als hätte LEGO eine eigentlich ziemlich gute Idee.

Was erfahrungsgemäß bedeutet, dass man besser schon einmal mit dem eigenen MOC anfängt.

Meiner ist jedenfalls bereits in Arbeit …

Kosten

  • Bricks: 
    • Brickwith : 35€ (423 Bricks)
  • Figuren:
    • Bricksdealerz : 35€ (9 Figuren)
    • Ebay: 12€ (2 Figuren)
    • Bricklink 5€ (1 Figuren + Kopfbedeckung)
  • Prints:
    • Steindrucker: 20€ 
  • Vitrine: 
    • TINGLAND: 13€ 
  • Total: 115€

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