Was ist der Unterschied zwischen einem Manta-Fahrer und einem BMW-Fahrer?
Der Manta-Fahrer weiß, dass man Witze über ihn macht.
Und der Golf-Fahrer? Der GTI-Fahrer glaubt bis heute, alle lachen mit ihm.
Tiefer, breiter, älter – aber immer noch nicht vernünftig

Nach diesem Manta-Witz wären wir eigentlich schon mitten in „Manta – Der Film“.
Am 19. September 1991 kam Peter Timms automobile Klassenkampf-Komödie in die deutschen Kinos. 2026 wird sie also 35 Jahre alt – ein Alter, in dem Autos normalerweise entweder dreimal den Besitzer gewechselt haben, nach Osteuropa exportiert wurden oder plötzlich für 24.900 Euro als „Youngtimer mit Wertsteigerungspotenzial“ im Internet stehen. „Manta – Der Film“ dagegen läuft noch immer erstaunlich rund. Nicht unbedingt leise, nicht immer elegant und gelegentlich mit einem Drehbuch, das subtil ist wie ein Fuchsschwanz an einer elektrisch ausfahrbaren Antenne. Aber er läuft.
Und bevor hier jemand glaubt, ich würde mich über Opel-Fahrer lustig machen: Ich gehörte selbst zur Familie. Bei mir war es ein Kadett GSi mit 115 PS und dem legendären LCD-Tacho, liebevoll „Mäusekino“ genannt. Digitale Balken statt Zeiger! Zukunft! Raumschifftechnik! Zumindest so lange, bis daneben ein BMW stand und dessen Fahrer erklärte, Heckantrieb sei eine Lebenseinstellung.
Ich darf also lästern. Ich war dabei.
Golf gegen Manta

Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Fred Grabowski, der kurz vor Führerschein und Volljährigkeit steht. Fred hat einen Traum. Einen großen, automobilen Traum. Allerdings den falschen: Er will einen Golf GTI.
Sein Fahrlehrer Theo fährt zwar Manta, doch Fred orientiert sich lieber an seinem Freund Sven und an Tina, die beide in der Golf-Fraktion verkehren. Für einen eigenen GTI spart Fred jeden Pfennig und trägt sogar Prospekte aus. Denn Anfang der Neunziger war ein GTI offenbar nicht einfach ein Auto, sondern eine Eintrittskarte in eine bessere Gesellschaft. Quasi Abitur, Kreditkarte und Paarungsberechtigung in einem Fahrzeugbrief.

Tatsächlich gelingt es Fred zunächst sogar, Tina für sich zu gewinnen. Doch dann schlägt das Schicksal in Form seiner Mutter zu. Die hat an einem Gewinnspiel teilgenommen, und ausgerechnet einen Tag vor Freds 18. Geburtstag wird klar: Gewonnen wurde ein Auto.
Ein Opel Manta.

Für Fred ungefähr so erfreulich, als hätte ein überzeugter Bayern-Fan eine Dauerkarte auf Schalke gewonnen.
Fred will eigentlich nichts mit dem Wagen zu tun haben. Sein Vater hat jedoch das für den GTI gedachte Geld langfristig angelegt. Also muss Fred den Manta fahren. Was folgt, ist eine Abwärtsspirale aus Manta-Witzen, öffentlicher Häme und dem schrecklichen Verdacht, plötzlich selbst zu jener Spezies zu gehören, über die man gestern noch gelacht hat.

Tina findet den Manta erwartungsgemäß ebenfalls ungefähr so erotisch wie einen Fliesentisch und orientiert sich in Richtung Phil. Und Phil fährt natürlich Golf. Schließlich braucht jeder Film einen Bösewicht, und für einen BMW hätte vermutlich das Budget nicht gereicht.

Phil arbeitet als Fotograf und möchte Tina als Nacktmodell gewinnen. Fred sieht seine Beziehung endgültig den Bach heruntergehen, zerkratzt Phils Golf und kassiert dafür von Tina eine Ohrfeige. Daraufhin beschließt er, seinen Manta auf einem verlassenen Industriegelände abzufackeln. Man muss diese Szene aus damaliger Sicht verstehen: Heute würde man einen brauchbaren Manta B eher vakuumverpacken und in einer klimatisierten Garage lagern.

Doch bevor das Feuer sein Ziel erreicht, erscheint etwas, das selbst für Manta-Verhältnisse jede Restvernunft beendet: ein schwarzer, dreiachsiger Manta mit sechs Rädern.
Am Steuer sitzt Mechaniker Sascha. Über ihn gerät Fred schließlich an den örtlichen Manta-Club. Eigentlich möchte er seinen Wagen bloß gegen einen Golf tauschen. Stattdessen wird er nach theoretischer und praktischer Prüfung selbst in die Manta-Gemeinschaft aufgenommen. Das ist ungefähr so, als wollte man bei einem Fitnessstudio kündigen und käme als Bodybuilding-Trainer wieder heraus.

Natürlich eskaliert der Streit zwischen Golf- und Manta-Lager. Am Ende soll ein Rennen entscheiden, wer auf der automobilen Evolutionsleiter weiter oben steht. Fred bekommt den rund 300 PS starken Spezial-Manta. Phil tritt für die Golf-Fraktion an. Während des Rennens drängt Phil Fred ab, der Manta kracht in eine Baggerschaufel und wird längs aufgerissen. Trotzdem fährt er weiter – auf drei Rädern. Normaler Dienstag für einen Opel.

Phil verunglückt kurz darauf selbst, sein Golf überschlägt sich und fängt Feuer. Fred könnte weiterfahren. Stattdessen hält er an und rettet Tina aus dem brennenden Wagen. Er gewinnt das Rennen also nicht – dafür Tina zurück und den Respekt beider Lager.
Die eigentliche Botschaft lautet damit überraschenderweise nicht „Opel ist besser als Volkswagen“, sondern: Der Typ hinter dem Lenkrad zählt mehr als das Auto davor. Eine Erkenntnis, die BMW-Fahrer selbstverständlich seit Jahrzehnten energisch bestreiten.
Schnell gedreht

„Manta – Der Film“ entstand mitten auf dem Höhepunkt der Manta-Witz-Welle. Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger wurde praktisch alles tiefergelegt: Mantas, Blondinenwitze, das Niveau deutscher Stammtische und wahrscheinlich auch einzelne Wohnzimmermöbel.

Besonders kurios: Als der Film entstand, war die reguläre Produktion des Manta bereits seit einigen Jahren beendet. Peter Timm, der kurz zuvor mit „Go Trabi Go“ erfolgreich gewesen war, führte Regie; das Drehbuch schrieben Michael Arnal und Xao Seffcheque, produziert wurde der Film von Hanno Huths Royal Filmproduktion. Filmportal führt Essen als Drehort – und das Ruhrgebiet ist ohnehin nicht bloß Kulisse, sondern beinahe eine zusätzliche Hauptfigur.

Vor allem musste alles schnell gehen. Die Manta-Witze waren heiß, also wollte man den Film im Kino haben, bevor der letzte Fuchsschwanz aus der Mode kam. Das gelang: Kinostart war am 19. September 1991. „Manta Manta“ folgte am 3. Oktober. Zwei deutsche Kinofilme über dasselbe automobile Spottobjekt innerhalb von vierzehn Tagen – selbst Hollywood hätte sich vermutlich gefragt, ob das nicht etwas viel Franchise auf einmal ist.
Blech mit Charakter

Der eigentliche Star trägt natürlich einen Blitz.
Freds regulärer Filmmanta basiert auf dem Manta B. Recherchen zum später als Modell nachgebildeten Filmwagen beschreiben einen GT/E beziehungsweise GSi der späteren Baureihe mit Zweiliter-Einspritzer und rund 110 PS, optisch allerdings deutlich nachgewürzt: Irmscher-Teile, Doppelrundscheinwerfer, Verbreiterungen, 15-Zoll-Räder und selbstverständlich Heckspoiler. Denn ohne Heckspoiler wäre ein Manta schließlich nur ein Auto gewesen.

Auf der Gegenseite stehen diverse Golf, darunter GTI-Modelle der ersten und zweiten Generation. Der Film macht daraus eine Weltanschauung: Manta gegen GTI, proletarische Individualität gegen vermeintlich korrekte Sportlichkeit. Das Schöne daran: Beide Seiten halten sich für überlegen, während der Rest der Bevölkerung vermutlich einfach nur nach Hause fahren möchte.

Unvergesslich bleibt aber der sechsradige Manta. Drei Exemplare dieses dreiachsigen Monsters wurden gebaut. Einer wurde bei den Dreharbeiten zerstört, ein weiterer landete später in der Bavaria Filmstadt und verfiel dort, und der dritte war so konstruiert, dass er längs geteilt und trotzdem noch gefahren werden konnte. Verantwortlich für die Konstruktion war Stunt-Koordinator François Doge. Gegen dieses Ding wirkt selbst ein tiefergelegter Dreier-BMW mit vier Endrohren geradezu zurückhaltend.
Gesichter des Potts

Sebastian Rudolph spielt Fred mit genau der Mischung aus jugendlicher Unsicherheit, Größenwahn und Verzweiflung, die man braucht, wenn man eigentlich GTI-Fahrer werden wollte und plötzlich einen Manta vor der Tür stehen hat. Nadeshda Brennicke übernimmt Tina, Jophi Ries den Rivalen Phil.

Dazu kommt eine Besetzung, die heute fast interessanter wirkt als damals: Dieter Pfaff und Brigitte Janner spielen Freds Eltern, Jochen Nickel den Fahrlehrer, Dieter Thomas Heck taucht als Autohausbesitzer auf, Ralf Richter als Polizist – und Helge Schneider spielt praktischerweise Helge Schneider. Mehr Helge Schneider geht kaum. Auch musikalisch war er beteiligt.
Gerade diese Nebenrollen geben dem Film etwas, das vielen späteren deutschen Klamaukkomödien fehlt: Man hat das Gefühl, die Leute könnten nach Drehschluss tatsächlich irgendwo im Ruhrgebiet an einer Pommesbude stehen.
Mitten im Pott

Wer „Manta – Der Film“ heute noch einmal schaut und aus dem Ruhrgebiet kommt, hat neben der eigentlichen Handlung noch ein zweites Vergnügen: Drehorte erkennen. Denn während Hollywood für Autofilme gern halb Los Angeles absperrt, reichte Peter Timm 1991 im Wesentlichen Essen. Und mal ehrlich: Für einen Film über Manta, Golf GTI, Pommesbuden und automobile Glaubenskriege hätte Beverly Hills auch irgendwie unglaubwürdig gewirkt.
Der Film wurde zu großen Teilen tatsächlich in Essen gedreht. Eine detaillierte Drehort-Datenbank führt insgesamt 15 Schauplätze auf – 14 davon in Essen, lediglich das große Finale entstand in Duisburg. Auch eine Drehort-Tour von 2024 konnte zahlreiche Schauplätze mehr als drei Jahrzehnte später noch identifizieren.

Zu den interessantesten Orten gehören:
- Essen Hauptbahnhof – schon zu Beginn ist die U-Bahn-Station am Hauptbahnhof zu sehen.
- Fahrschule und Bushaltestelle – hier beginnt Freds automobile Karriere, bevor das Schicksal beschließt, ihm statt des erträumten GTI einen Manta hinzustellen.
- Haus der Grabowskis – auch Freds Elternhaus beziehungsweise die dazugehörige Wohnsiedlung lag in Essen.
- Manta-Club, Emscherstraße 40, Essen-Katernberg – einer der schönsten Drehorte überhaupt. Das Werkstattgebäude auf dem Industriegelände diente im Film als Clubheim der Manta-Jünger. Später wurde ausgerechnet dasselbe Gebäude für die RTL-Serie „Und tschüss!“ zur Tankstelle umgebaut. Man könnte sagen: eine klassische Ruhrgebietskarriere – erst Manta-Club, dann Tankstelle.
- Squash-Center – hier treffen Fred, Tina und die Golf-Fraktion aufeinander; auch Teile des anschließenden Manta-gegen-Golf-Geplänkels entstanden in unmittelbarer Umgebung.
- Autohaus Metzger – hier gewinnt Fred seinen Manta. Für ihn zunächst ungefähr dasselbe Gefühl, als hätte man einem BMW-Fahrer bei einer Tombola einen Blinkerhebel geschenkt: Er weiß, dass es vermutlich nützlich ist, möchte aber eigentlich nichts damit zu tun haben.
- Teichstraße 2, Essen-Innenstadt – vor dem heutigen Astra-Kino entstanden die Außenaufnahmen der Diskothek „Neue Liebe“. Die Film-Drehortdatenbank verortet die Disco ebenfalls unmittelbar dort.
- Kleiner Markt, Margarethenhöhe – hier trifft sich im Film der Golf-Club. Ausgerechnet die schmucke Margarethenhöhe als Sammelpunkt der GTI-Fraktion – wahrscheinlich wollte man verhindern, dass sie irgendwo anders mit ihren offenen Motorhauben das Stadtbild verschandeln.
- Landschaftspark Duisburg-Nord, Emscherstraße 71 – das große Finale wurde im damals stillgelegten Hüttenwerk gedreht, Jahre bevor daraus der heutige Landschaftspark wurde. Teile des Rennens führten über die Hochofenstraße. Genau diese rostige, gewaltige Industriekulisse gibt dem Schlussrennen einen Look, den man mit keinem Studio der Welt vernünftig hätte nachbauen können.

Gerade diese echten Ruhrgebietsorte sind ein Grund, warum „Manta – Der Film“ heute so wunderbar gealtert ist. Nicht unbedingt technisch – einige Frisuren dürften inzwischen unter Denkmalschutz stehen –, aber als Zeitdokument. Man sieht Essen und Duisburg zu Beginn der Neunziger, noch bevor zahlreiche ehemalige Industrieflächen saniert, umgebaut oder schick mit dem Wort „Quartier“ versehen wurden.
Für mich macht das einen erheblichen Teil des Charmes aus. Das ist eben kein beliebig austauschbarer Hintergrund. Der Film riecht förmlich nach Ruhrgebiet, Werkstatt, Industrie und Super verbleit.
Kleine Kuriositäten

Das Verrückteste ist vielleicht, dass „Manta – Der Film“ trotz Fuchsschwänzen, Verfolgungsjagden, brennenden Autos und eines sechsrädrigen Höllen-Mantas von der FBW tatsächlich das Prädikat „wertvoll“ erhielt. Der Film war zudem ohne Altersbeschränkung freigegeben. Pädagogisch wertvoll also: Kinder lernten früh, dass ein Auto auch mit einer fehlenden Hälfte noch nicht zwingend abgeschrieben werden muss.

Auch der Soundtrack ist eine Zeitkapsel mit Klappscheinwerfern. Zu hören beziehungsweise auf dem begleitenden Doppelalbum vertreten sind unter anderem „Manta ’91“ von Norbert und die Feiglinge, Golden Earrings „Radar Love“, Matthias Reim, Helge Schneider und sogar „Golf GTI“ von den Fantastischen Vier. Am Ende erklingt zudem eine Version von „The Final Countdown“. Mehr 1991 passt auf zwei CDs eigentlich nur, wenn man noch eine Packung Raider dazulegt.
Das Manta-Duell

Natürlich müssen wir über den anderen reden: „Manta, Manta“. Wolfgang Bülds Film mit Til Schweiger und Tina Ruland startete am 3. Oktober 1991, also nur zwei Wochen nach „Manta – Der Film“. Deutschland hatte damit innerhalb von 14 Tagen zwei Manta-Komödien im Kino. Andere Länder entwickelten damals das World Wide Web – wir investierten unsere Kreativität in Fuchsschwänze. Prioritäten.

Und ja: Ich persönlich finde „Manta – Der Film“ deutlich besser.

„Manta, Manta“ wurde langfristig zwar der bekanntere Film, nicht zuletzt wegen Til Schweiger, Tina Ruland, Michael Kessler und später sogar einer Fortsetzung. Aber „Manta – Der Film“ hat für mich die bessere Idee hinter dem ganzen Klamauk. Fred beginnt nämlich als jemand, der selbst auf Manta-Fahrer herabschaut. Der Film macht sich nicht ausschließlich über den Opel lustig – er macht sich ebenso über die Golf-Fraktion, Statusdenken und automobile Rudelbildung lustig.
Genau das funktioniert heute noch. Denn der Fahrzeugtyp ändert sich, der Mensch nicht. Früher stritt man über Manta und GTI. Später über Golf GTI und BMW 3er. Heute erklärt einem irgendein SUV-Fahrer beim Bäcker ungefragt sein Leasingmodell. Evolution verläuft eben nicht immer geradlinig.
Presse mit Profil

Interessanterweise waren die zeitgenössischen Kritiken keineswegs durchgehend vernichtend. Der „film-dienst“ lobte Peter Timms Film als sympathisch, teilweise witzig und erstaunlich milieutreu. Besonders positiv wurde gesehen, dass eben nicht einfach Manta-Witz auf Manta-Witz folgt und das große Stuntfinale tatsächlich filmisch etwas zu bieten hat.

Auch die FBW fand deutliche Worte für die handwerkliche Qualität, das Ruhrgebietsambiente und die Dynamik des Films. Einschränkend bemängelte die Jury allerdings die dünne inhaltliche Substanz. Das ist vermutlich die höfliche Filmkritikerformulierung für: „Da fährt ein sechsrädriger Manta durch Essen, was genau erwarten Sie von uns?“

Die taz war wesentlich bissiger und hielt die gesamte Manta-Welle 1991 bereits für ziemlich abgefahren. Interessanterweise kam „Manta – Der Film“ im direkten Vergleich aber klar besser weg: Peter Timm wurde zugutegehalten, immerhin eine richtige Geschichte erzählen zu wollen, während „Manta, Manta“ als wesentlich gröberer Dauerwitz abgekanzelt wurde.
Ich sage ja: Die Wissenschaft bestätigt mich praktisch.
Mehr als Spoiler

Heute ist besonders interessant, wie viel Sozialgeschichte unter all dem Spoilerplastik steckt. Der Manta war längst mehr als ein Auto. Er war ein Klischee über Herkunft, Einkommen, Geschmack und Bildung. Der „Maurer-Porsche“ stand auf der einen Seite, Porsche, Mercedes oder BMW auf der anderen. Selbst der Golf GTI bedeutete im Film bereits sozialen Aufstieg.

Der „film-dienst“ erkannte genau das schon 1991 und deutete den Manta-Kult sogar als eine Art Gegenentwurf zum Prestigedenken der höheren automobilen Klassen.
Und darin steckt die eigentliche Stärke des Films. Die Manta-Fahrer sehen lächerlich aus – aber die GTI-Fahrer eben auch. Alle definieren sich über ihre Autos. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Manta-Leute am Ende wenigstens Spaß dabei haben.
Kult auf Rädern

35 Jahre später funktioniert „Manta – Der Film“ deshalb weniger als aktuelle Komödie denn als wunderbar konservierte Momentaufnahme. Die Klamotten, die Frisuren, die Musik, Essen und seine Industriearchitektur, die Autos und dieses völlig selbstverständliche Gefühl, dass die Wahl zwischen Opel und Volkswagen eine weltanschauliche Entscheidung sei – all das kann man heute nicht mehr künstlich nachbauen.

Der Film lockte 1991 allein bis Jahresende rund 891.000 Besucher in die deutschen Kinos; „Manta, Manta“ kam im selben Zeitraum auf knapp 979.000. Kein schlechter Wert für zwei Filme, deren zentrale kulturpolitische Frage ungefähr lautete: „Wer hat die breitesten Schlappen?“
Dass heute vor allem „Manta, Manta“ im allgemeinen Gedächtnis geblieben ist, ändert für mich nichts daran, dass Peter Timms Film die interessantere Zeitkapsel darstellt. Vielleicht sogar gerade deshalb. Er braucht keine nachträgliche Fortsetzung. Er steht da wie ein alter Manta auf einem Treffen: etwas aus der Mode, ein bisschen übertrieben – und plötzlich merkt man, dass man schon seit zehn Minuten davorsteht und grinst.
Noch einmal Manta

Ist „Manta – Der Film“ großes Kino? Nein. Natürlich nicht. Aber das will er auch gar nicht sein. Er ist laut, albern, überzeichnet, gelegentlich geschmacklich tiefergelegt und vollgestopft mit Dingen, die 1991 wahnsinnig wichtig erschienen und heute vollkommen absurd wirken.
Und genau deshalb mag ich ihn.
Vielleicht hat das auch mit meinem eigenen Kadett GSi zu tun. 115 PS, Mäusekino, Opel-Blitz – damit war man schließlich automatisch qualifiziert, bei jedem Gespräch über Autos eine Meinung zu haben. Besonders über Golf-Fahrer. Die wiederum hatten selbstverständlich ebenfalls eine Meinung. Meistens die falsche.

„Manta – Der Film“ erinnert daran, dass Autokultur einmal herrlich unvernünftig, lokal und ein bisschen peinlich sein durfte. Dass ein Heckspoiler Charaktereigenschaft, eine Felge Glaubensfrage und ein Fuchsschwanz praktisch eine politische Erklärung sein konnte.
35 Jahre später wirkt vieles daran hoffnungslos altmodisch.
Zum Glück.
Denn eines sollte man nie vergessen: Ein Manta ist vielleicht nicht das schnellste Auto. Nicht das eleganteste. Und ganz sicher nicht das unauffälligste.
Aber wenigstens musste man nie erklären, warum man freiwillig Golf fährt.










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