35 Years of Computing

35 Years of Computing

Viele junge Leute können nicht glauben, dass es mal eine Zeit gab, in der die Informationstechnik (IT) nicht unser tägliches Leben beeinflusst und bestimmt hat.

Eine Zeit ohne Smartphones, ohne PCs, ohne Internet.
Eine Zeit ohne social Media, ohne influencer, ohne Onlineshopping
Eine Zeit mit nur drei lineare TV-Programme und diese sendeten unter der Woche auch nur von 16:00 bis 23:45.
Eine Zeit in der man “aktuelle” Information nur aus der Tagesschau, der Tageszeitung oder aus Magazinen/Zeitschriften bekam.
Und auch eine Zeit in der Lehrer und Eltern nichts von Nerds / Geeks, den Problem von Hochbegabten, von echtem ADRS, etc. wussten – das waren in deren Augen alles nur unkonzentrierte, faule und undisziplinierte Zappelkinder.

Unvorstellbar, oder?
In dieser Zeit habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht, inkl. Mobbing, Lehrer und Eltern die einen nicht verstehen wollen / können, nur mit Pseudo Freunde, unglücklich, unzufrieden, Außenseiter, voller Selbstzweifel (bin ich doch verrückt / geistesgestört?), etc. …

Genau so sah mein Leben aus – bis Ende April 1983, als ein Ereignis mein ganzes Leben nachhaltig veränderte.

Was war passiert:
Anfang der 80er war das Goldene Zeitalter der Videospiele!
An jedem Kiosk und in jeder Frittenbude standen Arcade Automaten, wo man, auch als unter 18-Jähriger, für eine Mark Donkey Kong, Pac-Man; Zaxxon, etc. spielen könnte. Naja, der Jugendschutz war damals halt etwas „lockerer“.
In den Kaufhäusern, z.B. KARSTADT; HORTEN, gab es große Abteilungen, wo man die neuesten Videospiele testen konnte. Es war die Zeit, als die zweite Videospiel Generation (Atari 2600) ihren Höhepunkt hatte und die dritte Generation (IntelVision; Coleco) gerade frisch in die Geschäfte kam.
The Golden Age – kurz vor dem ET-Crash. 
Auch ich war jeden Tag nach der Schule unterwegs. Entweder schmiss ich Markstück um Markstück in die Arcade Automaten oder, was billiger war, ich hing in den Kaufhäusern rum um dort die neuesten Spiele zu zocken.
Ende 82/83 kamen auch die ersten Fach-Zeitschriften für Videospiele und HomeComputer auf den Deutschen Markt bzw. es gab große Sonderteile in den Video- und Kino-Zeitschriften.
Außerdem tauchten zu dieser Zeit die ersten HomeComputer von Atari, Commodore, Dragon, Sinclair, etc. in den Kaufhäusern auf. Da auf diesen aber selten Spiele liefen, wurden sie von den meisten Kids ignoriert.
In dieser Zeit fielen mir durch Zufall einige dieser Fach-Zeitschriften in die Hände. Natürlich interessierten mich hauptsächlich die Beiträge über die neusten Videospiele, der Rest der Berichte war nur „Beifang“.
pm_1_83Bei diesen Zeitschriften waren auch zwei, die an diesem Tag im April eine extrem wichtige Rollen spielen sollten.
Zum einen war es das PM Computerheft 1/83, PM berichte schon zu der Zeit auch über die professionelle Anwendung von Computern. Was mich aber eigentlich nicht großartig interessierte, mich interessierten primär Spiele.
homecomputer 5_83_kDas andere Heft war eine Zeitschrift mit Programm-Listings zum eintippen mit Namen Homecomputer. Viele dieser Listing waren auch für Spiele. In der Ausgabe 5/83 war, unter anderem, das Listing  für eine Art Moon Lander für den TI99-4A von Texas Instruments.

homecomputer 5_83_PRG_kDa es bei den Videospielen an diesem Tag zu voll war, versuchte ich, mehr aus Langeweile als echt geplant, dieses Programm an einem der bei HORTEN in Essen ausgestellten TI994A ein zu tippen.
Leider klappte es nicht  😦
Denn mir fehlte noch das Wissen über Return-Taste, Zeilenumbruch, das es nicht reicht mit Leerzeichen, optisch, in die nächste Zeile zugehen. Aber bei dieser Tipperei fiel mir wieder der Bericht über die Programmiersprache BASIC aus dem PM Computerheft ein. Und so experimentierte ich dann etwas mit den Kommandos rum und schrieb dabei mein erstes Programm: (Ein klassischer Hello World Einstieg)

100 PRINT “Hallo“
110 GOTO 100

Natürlich war ich mir zu dem Zeitpunkt nicht mal ansatzweise bewusst was diesen zwei einfachen Zeilen, zusammen mit dem Erfolgserlebnis einen Bildschirm voller Hallos zusehen, für mein weiters Leben bedeuten würden.
Hätte mein 2018er Ich in diesem Moment meinem 1983er Ich gezeigt wie sich auf Grund dieses kleinen Programmes mein weiters Leben in den nächsten 35 Jahren entwickeln würde. Ich glaube mein 1983er Ich hätte entweder ungläubig den Kopf geschüttelt und meinem 2018er Ich den Mittelfinger gezeigt oder wäre schreiend davon gerannt – weit weit weg.
Alles, und ich meine wirklich wortwörtlich ALLES, was ich heute bin und was ich mache, egal ob Beruf, Hobbys, Denkweise, Einstellungen.  Einfach alles was mein heutiges Leben ausmacht, ergab sich aus genau diesem Moment.
Hätte ich nicht an jenem Nachmittag angefangen mich mit HomeComputern, BASIC und Programierung auseinanderzusetzen, so würde mein Leben heute ganz anders aussehen und auf keinen Fall besser oder glücklicher …

Nach diesem ersten Erfolg verbrachte ich in den darauffolgenden Wochen viel weniger Zeit bei den Videospielen, sondern habe mich mehr mit den HomeComputern befasst.
Durch Programmkommandos, welche ich bei anderen Leuten gesehen hatte, Zeitungsberichten und dem rum experimentieren (learning by doing / TryAndError – schon damals) erweiterte sich mein Wissen und meine Programmierfähigkeiten sehr schnell. In diesen Wochen erfolgte dann, auch wieder durch Zufall, der Umstieg vom TI994A auf dem Commodore VC20.
800px-VC20_ComputerScan-090321-0008Nach ein paar weiteren Wochen waren meine Fähigkeiten so weit, dass ich sogar schon eigene kleine Programme entwickelte. Da an einigen der HomeComputer Drucker angeschlossen waren, konnte ich diese sogar ausdrucken. Auch fing ich an meine Sachen in einem kleinen Ordner nieder zuschreiben und so zu dokumentieren.
Im Herbst 1983 wurde mir bewusst, dass der C64 wohl der HomeComputer mit den größten Zukunftschancen sein würde. Also war es für mich nur nahelegend, auf diese  Brotkiste umzusteigen.
Ab hier ist alles weitere History …

Mein erster Commodore C64, den ich 1984 bekommen habe, steht heute in meinem Arbeitszimmer, zusammen mit Datasette, Floppy Drive und Drucker, als Altar und reminder:

Never forget your roots!

Denn, wie gesagt, ALLES was ich heute bin und habe, verdanke ich diesen Kisten und einem (kleinen) Ereignis vor genau 35 Jahren …

Commodore C64

Kategorien: Art, Journalismus, Life | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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