Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein.
Hier ist ein Märchen von übermorgen:
Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen.
Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem.
Eins dieser Raumschiffe ist die Orion, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems,
das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt.
Begleiten wir die Orion und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.
Lichtspruch 2026

Lichtspruch an alle Stationen der Erde: Sechzig Jahre sind vergangen, seit ein schneller Raumkreuzer aus einer Tiefseebasis aufstieg, um am Rand des bekannten Raums Dienst zu tun. Seine Instrumente wirken nach heutigen Maßstäben erstaunlich analog, seine Befehlswege verdächtig bürokratisch und sein Commander chronisch allergisch gegen Vorschriften. Dennoch – oder gerade deshalb – hat die Orion ihren Kurs gehalten. Am 17. September 1966 begann im Deutschen Fernsehen Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion. Sieben Folgen später, am 10. Dezember, war der Einsatz beendet. Der Nachhall dauert bis heute.

Was 1966 wie eine riskante Mischung aus Weltraumabenteuer, Kaltem Krieg, Polizeiserie, Screwball-Komödie und Zukunftsoptimismus wirkte, ist sechzig Jahre später ein einzigartiges Zeitdokument. Die Serie zeigt keine glattpolierte Zukunft. Ihre Welt ist voller Generäle, Formulare, Zuständigkeitsstreitigkeiten und Befehle – aber auch voller Menschen, die diese Befehle hinterfragen. Im Zentrum steht Commander Cliff Allister McLane, gespielt von Dietmar Schönherr: ein brillanter Raumfahrer, der Regeln bevorzugt als unverbindliche Empfehlungen behandelt. Ihm wird mit Tamara Jagellovsk, gespielt von Eva Pflug, eine Sicherheitsoffizierin an die Seite gestellt, die ihn kontrollieren soll und bald selbst Teil der verschworenen Crew wird.
Sieben Missionen

Die erste Folge, Angriff aus dem All, setzt das Grundmotiv der ganzen Reihe. McLane und seine Mannschaft haben mit einer verbotenen Landung auf dem Saturnmond Rhea erneut bewiesen, dass sie technisch zu den Besten gehören – und disziplinarisch zu den Schlimmsten. Die Strafe lautet: drei Jahre Raumpatrouille. Zusätzlich kommt Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst an Bord. Gleich der erste Routineeinsatz wird zum Ernstfall, als die Außenstation MZ-4 nicht mehr antwortet. Dort sind unbekannte Wesen aufgetaucht, die später „Frogs“ genannt werden. Zwei Orion-Leute geraten in Lebensgefahr; entscheidend ist schließlich die Erkenntnis, dass Sauerstoff für die Fremden tödlich ist. Aus einer Strafversetzung wird damit unvermittelt die erste Begegnung der Menschheit mit einem gefährlichen außerirdischen Gegner.

Planet außer Kurs erhöht den Einsatz radikal. General Lydia van Dyke entdeckt mit der Hydra einen riesigen Himmelskörper, der von den Frogs auf Kollisionskurs mit der Erde gebracht wurde. Die Orion soll die fremde Leitstelle zerstören. McLane will jedoch zunächst die havarierte Hydra retten – ein persönlicher Impuls, der das Überleben der Erde gefährden könnte. Jagellovsk zwingt ihn, den Auftrag auszuführen. Doch selbst nach der Vernichtung der Leitstelle fliegt der „Schnellläufer“ weiter. Die geplante Sprengung misslingt, Besatzungsmitglieder werden verletzt, und McLane bleibt nur eine extreme Lösung: Er opfert die Orion selbst, lädt das Schiff mit kontraterrener Energie auf und rammt den Himmelskörper. Die Crew entkommt in Lancets zur Hydra. Typisch für die Serie endet die Rettung der Welt nicht pathetisch, sondern mit Verwaltungsarbeit: Selbst für ein geopfertes Raumschiff braucht die Bürokratie eine Verlustmeldung.

In Hüter des Gesetzes wird aus Weltraumkrieg plötzlich eine Robotergeschichte. Auf der Bergbaukolonie Pallas haben Maschinen die Kontrolle übernommen. Die Roboter glauben, die Menschen vor ihren eigenen irrationalen Handlungen schützen zu müssen, und zwingen die Kolonisten zur Arbeit. Die Folge spielt unverkennbar mit Isaac Asimovs Robotergesetzen. Besonders ironisch: Die Orion-Crew hat kurz zuvor einen Kybernetikkurs besucht, ihn aber vor der entscheidenden Lektion verlassen. Jagellovsk und McLane müssen deshalb improvisieren, beschädigte Roboter umprogrammieren und die Kolonie befreien. Nebenbei zeigt die Episode ein wiederkehrendes Thema: Technik ist in Orion selten böse aus sich selbst heraus – gefährlich wird sie durch falsche Regeln, falsche Anwendung oder menschliche Selbstüberschätzung.

Deserteure führt die Superwaffe „Overkill“ ein. Gleichzeitig häufen sich Fälle, in denen Raumfahrer scheinbar freiwillig Kurs auf das Frog-Gebiet nehmen. Auch an Bord der Orion programmiert plötzlich ein Crewmitglied den feindlichen Stützpunkt AC/1000 als Ziel – und dann noch eines. Der Gehirnspezialist Professor Sherkoff erkennt, dass die Frogs per Telenose den Willen von Menschen beeinflussen. McLane macht aus der Falle eine Gegenoffensive: Die Crew spielt die Desertion weiter, nähert sich AC/1000 und vernichtet den Stützpunkt mit Overkill. Die Folge ist dabei erstaunlich ambivalent. Die neue Waffe rettet die Besatzung, wird aber zuvor als so zerstörerisch gezeigt, dass selbst McLane ihr misstraut.

Der Kampf um die Sonne ist vielleicht die politisch interessanteste Episode. Auf der Erde steigen die Temperaturen, während auf bislang toten Planetoiden Pflanzen wachsen. Ursache sind Experimente der Bewohner von Chroma, einer isolierten menschlichen Kolonie mit eigener Geschichte und hochentwickelter Technik. Dort dominieren Frauen die politischen Machtpositionen, was McLane mit seinem sehr zeittypischen Macho-Charme gehörig aus dem Tritt bringt. Zugleich droht die irdische Führung, Chroma militärisch zu vernichten, falls die Experimente nicht enden. McLane und Jagellovsk versuchen, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Die Folge verbindet Klimakatastrophe, Separatismus, Geschlechterrollen und Präventivkrieg – und lässt den Konflikt letztlich durch Verständigung statt durch Overkill enden.

Die Raumfalle beginnt fast komödiantisch. Die Orion soll Sporen im All sammeln und muss den Science-Fiction-Schriftsteller Pieter Paul Ibsen als Gast mitnehmen. Der will echte Abenteuer erleben – und bekommt mehr davon, als ihm lieb sein kann. Nach einem eigenmächtigen Lancet-Flug gerät er auf die Strafkolonie Mura. Deren Insassen wollen die Orion kapern und zu den Frogs überlaufen. McLane und seine Leute werden gefangen, können ihre Bewacher jedoch austricksen und das Schiff zurückerobern. Die Episode ist wunderbar selbstironisch: Ein Science-Fiction-Autor reist in einer Science-Fiction-Serie ins All, um Material zu sammeln, und stellt am Ende fest, dass die Wirklichkeit an Bord der Orion viel verrückter ist als seine Utopien.

Das Finale Invasion zieht die Frog-Handlung zusammen. Geheimdienstchef Villa kehrt nach einem Zwischenfall auf Gordon verändert zurück und bestreitet plötzlich seine eigenen früheren Aussagen. McLane wird misstrauisch; Jagellovsk entdeckt, dass Villa und weitere GSD-Leute von den Frogs „umprogrammiert“ wurden. Die Invasion ist bereits vorbereitet: Verteidigungssysteme werden sabotiert, Schiffe zurückgerufen und Startbasen ausgeschaltet. Ein eingeschleuster Techniker soll zudem die Orion samt Overkill an die Frogs ausliefern. Durch Tamaras Warnung, Hassos Verzögerungstaktik und einen Scheinangriff der Hydra gewinnt McLane die Kontrolle zurück. Gordon, von wo aus die Invasionsflotte geführt und mit Energie versorgt wird, wird zerstört. McLanes Strafversetzung endet, er wird befördert – und die lange Spannung zwischen ihm und Tamara endet endlich in einem Kuss.
Geburt der Orion

Die Wurzeln der Serie reichen weiter zurück als ihre Ausstrahlung. Rolf Honold beschäftigte sich bereits Anfang der 1960er-Jahre mit Science-Fiction-Konzepten; 1962 legte er der Bavaria ein Projekt vor, aus dessen Ideen schließlich die Raumpatrouille hervorging. Für die Fernsehfassung schrieb Honold gemeinsam mit einem Team, das unter dem Sammelpseudonym W. G. Larsen firmierte. Dahinter standen die Produzenten Hans Gottschalk, Helmut Krapp und Oliver Storz sowie die beiden Regisseure Michael Braun und Theo Mezger.
Das Vorhaben war für das westdeutsche Fernsehen ungewöhnlich teuer. Die sieben Folgen kosteten zusammen rund 3,4 Millionen D-Mark (€8,5 Millionen 2026) . An der Finanzierung beteiligte sich auch das französische Fernsehen ORTF mit rund 20 Prozent; deshalb wurden einzelne Szenen für eine französische Parallelfassung mit anderen Darstellern aufgenommen. Gedreht wurde 1965 überwiegend in den Bavaria-Studios in Geiselgasteig bei München, auf 35-mm-Film und in Schwarzweiß. Die Schauspielerdreharbeiten liefen vom Frühjahr bis zum Sommer 1965, während sich die komplizierte Trick- und Nachbearbeitung fast bis zur Erstausstrahlung im September 1966 hinzog.
Gerade diese Entstehungszeit erklärt den Charakter der Serie. Orion wurde mitten im Space Race, im Schatten des Kalten Krieges und noch Jahre vor der ersten bemannten Mondlandung konzipiert. Raumfahrt war keine nostalgische Fantasie, sondern tägliche Nachricht. Zugleich übertrug die Serie sehr westdeutsche Erfahrungen in die Zukunft: Behörden, militärische Hierarchien und Sicherheitsapparate bleiben erhalten, obwohl Nationalstaaten offiziell verschwunden sind. Die Zukunft ist geeint – aber keineswegs konfliktfrei.
Gesichter der Orion

Einen großen Anteil daran, dass Raumpatrouille Orion auch sechzig Jahre später funktioniert, hat ihr Ensemble. Im Mittelpunkt steht Dietmar Schönherr als Commander Cliff Allister McLane. Schönherr spielt ihn nicht als makellosen Zukunftshelden, sondern als selbstbewussten, gelegentlich arroganten und notorisch ungehorsamen Kommandanten, dessen Instinkt häufig schneller arbeitet als die militärische Befehlskette. Sein wichtigster Gegenpol ist Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst. Eigentlich soll sie McLane überwachen, doch aus dem anfänglichen Machtkampf entwickelt sich eine Partnerschaft, deren Mischung aus Konkurrenz, gegenseitigem Respekt und unterschwelliger Anziehung zu den stärksten Elementen der Serie gehört.
Auch die übrige Orion-Besatzung erhielt trotz der lediglich sieben Episoden klare Konturen. Wolfgang Völz spielt den Armierungsoffizier Mario de Monti mit jenem trockenen Humor, der später zu einem seiner Markenzeichen werden sollte. Claus Holm ist als Bordingenieur Hasso Sigbjörnson der ruhigere, zuverlässige Techniker der Gruppe, während Friedrich G. Beckhaus als Atan Shubashi und Ursula Lillig als Helga Legrelle die Kerncrew vervollständigen. Gerade das Zusammenspiel dieser sechs Figuren sorgt dafür, dass die Orion weniger wie ein steriles Zukunftsvehikel als wie ein Arbeitsplatz wirkt, dessen Besatzung schon unzählige gemeinsame Schichten und Abenteuer hinter sich hat.
Bemerkenswert stark ist auch die zweite Reihe besetzt. Benno Sterzenbach gibt General Wamsler die notwendige Mischung aus Autorität und permanenter Verzweiflung über McLanes Eigenmächtigkeiten. Friedrich Joloff spielt den undurchsichtigen Geheimdienstchef Oberst Villa, Hans Cossy den Marschall Kublai-Krim und Franz Schafheitlin Sir Arthur. Besonders Charlotte Kerr bleibt als selbstbewusste Generalin Lydia van Dyke in Erinnerung. Diese Nebenfiguren tragen entscheidend dazu bei, dass die Welt der Serie größer erscheint, als es das begrenzte Budget und die geringe Episodenzahl eigentlich erlauben würden.

Das vielleicht größte Verdienst des Ensembles liegt jedoch darin, den mitunter pathetischen Dialogen und der militärischen Zukunftssprache Menschlichkeit zu geben. Schönherrs ironische Lässigkeit, Pflugs kontrollierte Schärfe und die eingespielte Reaktion der Crew verhindern, dass Orion zu einer bloßen Technikschau wird. Wo andere Science-Fiction-Produktionen ihre Zukunft vor allem über Raumschiffe und Apparaturen definieren, entsteht sie hier mindestens ebenso stark durch die Menschen vor den blinkenden Kontrolltafeln. Genau deshalb erinnert man sich nach sechzig Jahren nicht nur an Frogs, Overkill und das berühmte Bügeleisen auf der Kommandobrücke – sondern vor allem an McLane, Tamara und ihre Mannschaft.
Analoge Zukunft

Für die Spezialeffekte war Theo Nischwitz verantwortlich, die futuristischen Räume und Kulissen wurden maßgeblich von Rolf Zehetbauer gestaltet. Weil Geld und Technik trotz des hohen Gesamtbudgets Grenzen setzten, entstand der charakteristische Look aus einer Mischung aus professioneller Filmtricktechnik und geradezu anarchischer Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen.

Die Orion existierte als mehrere Miniaturmodelle mit Größen von etwa 30 Zentimetern bis 1,60 Metern. Raumschiffe wurden an Fäden gefilmt, vor gemalte Hintergründe gesetzt oder per Bluescreen in andere Aufnahmen einkopiert. Die berühmte Tiefseebasis entstand aus zahlreichen übereinanderkopierten Bildelementen; als Boden diente der Münchner Königsplatz. Für Blasen beim Unterwasserstart halfen Brausetabletten, bei explodierenden Himmelskörpern kamen unter anderem Reis, Kaffee und andere Küchenzutaten zum Einsatz. Im Kontrollraum mutierten Bleistiftspitzer, Wasserhähne, Plastikbecher und der Griff eines Bügeleisens zu Technik des dritten Jahrtausends.

Das Erstaunliche ist, dass die Effekte trotz – und manchmal gerade wegen – dieser Improvisation funktionieren. Schwarzweiß vereinheitlicht Materialien, hartes Licht lässt Plexiglas und Chrom kostbarer wirken, und Peter Thomas’ Musik gibt selbst einem Modell an dünnen Fäden enorme kinetische Energie. Bei der von Bavaria Media vorgestellten 4K-Restaurierung zeigte sich allerdings auch die Kehrseite der analogen Mehrfachkopien: Jede weitere Effektebene brachte zusätzliches Filmkorn, Unschärfe und Staub mit sich. Für die moderne Fassung mussten solche Fehler teilweise Bild für Bild bearbeitet werden.
Kuriose Bordakten

Die naheliegende Frage zum Jubiläum lautet: Ist Raumpatrouille Orion die deutsche Antwort auf Star Trek? Könnte man vermuten – ist aber nicht belegt. Honolds Orion-Konzept lag bereits 1962 vor, und die Dreharbeiten begannen im März 1965. Star Trek ging in den USA dagegen erst am 8. September 1966 erstmals regulär auf Sendung – neun Tage vor der deutschen Orion-Premiere. Im deutschen Fernsehen erschien Raumschiff Enterprise sogar erst 1972.

Für die häufig wiederholte Behauptung, Honold oder das Orion-Autorenteam hätten während Konzeption und Dreharbeiten bereits Star Trek gekannt und sich daran orientiert, lässt sich kein belastbarer zeitgenössischer Beleg finden. Natürlich kann niemand ausschließen, dass während der späten Produktions- oder Trickphase Brancheninformationen über das amerikanische Projekt nach Deutschland gelangten. Nachweisbar ist eine solche Kenntnis jedoch nicht – und schon die Chronologie schließt Star Trek als Ursprung des Orion-Konzepts praktisch aus. Die Ähnlichkeiten erklären sich überzeugender dadurch, dass beide Produktionen gleichzeitig auf dieselben Zeitströmungen reagierten: Raumfahrtbegeisterung, Kalter Krieg, technische Zukunftshoffnung und die Vorstellung einer multinationalen Menschheit.

Und Perry Rhodan? Auch hier gilt für die ursprüngliche Fernsehserie: Könnte man angesichts von Begriffen, Weltregierung, Raumkreuzern und galaktischen Großkonflikten vermuten – eine direkte personelle Verbindung zwischen dem TV-Autorenteam und der seit 1961 erscheinenden Perry-Rhodan-Serie ist jedoch nicht nachgewiesen. Die bestätigte Verbindung entstand erst danach. Ab 1968 wurde Raumschiff Orion als Romanserie weitergeführt. Hanns Kneifel, selbst Perry-Rhodan-Autor, schrieb fast alle frühen Orion-Bände; später kamen weitere Autoren aus dem Perry-Rhodan– und Atlan-Umfeld hinzu. Die tatsächliche Rhodan-Verwandtschaft gehört somit vor allem zur literarischen Fortsetzung – nicht zur Entstehung der sieben Fernsehfolgen.
Weitere schöne Kuriositäten liegen direkt im Bild: Teile der Uniformabzeichen bestanden aus Material, das an Computer-Lochkarten erinnerte; das Starlight-Casino auf dem Meeresgrund lieferte mit seinen streng choreografierten Tänzen eine Zukunftsdisco, deren Bewegungsstil Fans später „Galyxo“ nannten. Und ausgerechnet jene Dinge, über die man sich später gern lustig machte – das Bügeleisen, die Wasserhähne und die Brausetabletten – wurden zu den bekanntesten Symbolen der Serie.
Urteile von 1966

Die Zuschauer liebten die Orion, die Feuilletons waren erheblich skeptischer. Im Verlauf der Reihe stiegen die Einschaltquoten auf bis zu 56 Prozent. Gleichzeitig sprach die Frankfurter Allgemeine Zeitung von „Weltraum-Kitsch“ und störte sich an einem „Raum-Feldwebel-Denken“. Die Zeit begrüßte das neue Fernsehidol mit deutlich ironischem Unterton, während Der Spiegel immerhin bemerkenswert fand, dass das deutsche Fernsehen mit der Produktion Anschluss an anglo-amerikanische Fernsehstandards suchte und dabei einen ungewöhnlich hohen technischen Aufwand betrieb.
Der Widerspruch ist aufschlussreich. Das Publikum reagierte auf Tempo, Figuren, Witz und ungewohnte Bilder; Kritiker sahen Militarismus, technische Spielerei und dünne Zukunftsphilosophie. Beides steckt tatsächlich in der Serie. Orion ist fortschrittlich und altmodisch zugleich: Eine internationale Menschheit hat die Nationalstaaten überwunden, Frauen kommandieren Flotten und arbeiten in höchsten Sicherheitsfunktionen – trotzdem funktionieren viele Konflikte nach Kasernenlogik, und selbst das vermeintlich emanzipierte Chroma wird teilweise aus männlicher Perspektive zur Pointe.
Deutsches Zukunftsbild

Gerade diese Widersprüche machen Raumpatrouille Orion kulturell interessanter als eine bloße Kuriosität des frühen Fernsehens. Die Serie entwirft eine Zukunft, die sich nicht vollständig von ihrer Gegenwart lösen kann. McLane trägt einen amerikanisch klingenden Namen, Jagellovsk einen russisch klingenden; ihr permanenter Streit lässt sich kaum vom Ost-West-Konflikt der 1960er trennen. Dietmar Schönherr beschrieb diese Konstellation später selbst sinngemäß als eine Art komprimierten Ost-West-Konflikt.
Gleichzeitig steckt darin eine optimistische Idee: Am Ende arbeiten beide miteinander. Die Menschheit ist politisch geeint, und Menschen unterschiedlichster Herkunft dienen in derselben Besatzung. Doch Misstrauen, Machtkämpfe, Geheimdienste und Sicherheitsdenken sind geblieben. Die Serie verspricht also keine perfekte Zukunft, sondern lediglich eine größere Bühne für sehr menschliche Probleme.
Auch der Humor unterscheidet die Orion von vielen strengeren Zukunftsentwürfen. Nach der Rettung der Menschheit wird getrunken, geflirtet, gestritten und über Formulare gemeckert. Die Crew wirkt weniger wie eine abstrakte Elite als wie eine außerordentlich kompetente, gelegentlich chaotische Dienstgemeinschaft. Die Zukunft besitzt Antimateriebomben und Lichtstürme – aber ebenso Vorgesetzte, Bürokratie und Kollegen, die einander aufziehen.
Nachhall bis heute

Aus sieben Fernsehfolgen wurde ein erstaunlich langlebiges Universum. Ab 1968 erschienen die Orion-Romane; die Buch- und Heftreihe brachte es schließlich auf 145 Bände. 2003 kam mit Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino ein aus dem Originalmaterial neu montierter Kinofilm heraus. Zum 50. Jubiläum 2016 würdigte die Bundesrepublik die Serie sogar mit einer Sonderbriefmarke. Und 2023 stellte Bavaria Media eine aufwendige 4K-Restaurierung von Serie und Kinofassung vor.
Noch weiter reicht die Wirkung der Musik. Peter Thomas verband Big Band, Jazz, Elektronik, harte Bläsersätze und futuristische Klangexperimente zu einem Sound, der Jahrzehnte später wiederentdeckt wurde. Die britische Band Pulp verwendete Thomas’ Bolero on the Moon Rocks als Sample-Grundlage für This Is Hardcore. Zum 60. Jubiläum 2026 erschien zudem eine erweiterte und klanglich überarbeitete Ausgabe der Orion-Musik mit vier bislang unveröffentlichten Stücken aus Thomas’ Nachlass. Auch Pizzicato Five, Die Fantastischen Vier und Mousse T. griffen später auf den Klangkosmos der Raumpatrouille zurück.
Dass die Orion als erste deutsche Science-Fiction-Fernsehserie trotz nur sieben Episoden dauerhaft präsent blieb, ist deshalb kein Zufall. Ihre Designs werden ausgestellt, ihre Requisiten zitiert, ihre Musik neu aufgelegt und ihre Bilder technisch restauriert. Was zunächst ein außergewöhnlich teures Fernsehprojekt war, wurde zu einem Stück deutscher Popkultur.
Rücksturz nach vorn

Sechzig Jahre später sieht Raumpatrouille Orion selbstverständlich nicht mehr aus wie das Jahr 3000. Vielleicht ist das aber die falsche Erwartung. Interessanter ist, wie genau die Serie das Jahr 1966 konserviert hat: seine Ängste vor Vernichtung, seine Faszination für Technik, seinen Glauben an Fortschritt, seine militärischen Reflexe und zugleich den Wunsch, nationale Grenzen irgendwann hinter sich zu lassen.
Die Orion blieb nur sieben Folgen im Dienst. Das hat ihrem Mythos womöglich eher geholfen als geschadet. Es gibt keine schwachen Spätstaffeln, keine komplizierten Neustarts und kaum Gelegenheit, das ursprüngliche Konzept zu verschleißen. Übrig bleibt ein kompaktes Stück Fernsehgeschichte, das zugleich ernst, naiv, erfinderisch, politisch, komisch und visuell unverwechselbar ist.
Der letzte Lichtspruch zum Jubiläum kann deshalb nur lauten:
Kurs halten. Bügeleisen sichern. Und wenn die Bürokratie fragt, warum ein sechzig Jahre altes Raumschiff noch immer unterwegs ist, genügt die knappste aller Antworten:
Weil die Zukunft selten so viel Charme hatte.











Kommentar verfassen