Wir ham so ’ne Stabby, fiese Panzee Girl geschnappt.
Dachten erst, die geht schnell kaputt.
Hat se aber nich.
Stattdessen hat se in unsrer Arena gekämpft, gemetzelt und sich immer wieder aus jedem Haufen Ärger rausgeschnitten. Gegen Gretchins, gegen Squigs, gegen Humies und gegen Zeugs, dat selbst richtige Boyz lieber aus sicherer Entfernung ankucken.
Die Kleine is schnell. Fies. Kämpft dreckig und
macht ordentlich Rabatz.
Und irgendwie macht se einfach immer weiter.
Dis hier is ’ne G’schichte über Blut,
Stahl und Gebrüll. Und über ’ne Panzee,
die einfach nich weiß, wann se tot sein soll..

I
Xelyth grub die nackten Füße in den dunklen Sand. In jeder Hand hielt sie einen langen Wych-Dolch, schmal und tödlich wie Giftzähne.
Vierzig Meter vor ihr hockte ein Gretchin auf einem knurrenden Squig. Das kleine Mistvieh fletschte gelbe Hauer und schwenkte zwei rostige Klingen, als hielte es sich für einen Nob. Unter ihm spannte sich der Squig, ein Muskelklumpen mit Beinen und zu vielen Zähnen. Fäden aus Speichel tropften aus seinem halb geöffneten Maul.
Der Gretchin kreischte etwas in seiner krächzenden Sprache und trat dem Squig die Flanke. Das Biest schoss los.
Xelyth lächelte nur.
Dann rannte sie ihm entgegen.
Im letzten Augenblick stieß sie sich ab. Ihr drahtiger Körper schnellte höher, als das plumpe Grünhautgezücht es je erwartet hätte. Sie überschlug sich elegant über Reiter und Reittier hinweg. Am höchsten Punkt der Bewegung ließ sie eine Klinge im Vorbeiflug über das Ohr des Gretchin schneiden. Nicht tief genug, um zu töten. Tief genug, um zu quälen.
Der Schmerz war köstlich.
Er rann durch sie wie ein kalter Strom, füllte die hohlen Stellen in ihrer Seele und vertrieb das fern lauernde Gieren der Großen Feindin für einen kostbaren Herzschlag.
Sie landete leichtfüßig im Sand, drehte sich halb ein und warf den zweiten Dolch ohne hinzusehen. Die Klinge bohrte sich tief in den Rücken des Squigs. Das Biest jaulte, stolperte und überschlug sich. Der Gretchin wurde aus dem Sattel geschleudert und krachte gegen eine Metallwand, die unter dem Aufprall schepperte. Im selben Moment brandete ringsum gröhlender Jubel auf, roh und kehlig. Die verrottende Arena aus Schrott, Blut und rostigem Eisen bebte unter dem Stampfen des widerwärtigen Ork-Publikums.
Die Orks grölten vor Vergnügen.
Xelyth war bereits beim Squig, als er noch zitternd im Staub lag. Sie zog den Dolch mit einer bewussten Drehung aus der Wunde. Mehr Schmerz. Mehr Furcht. Mehr Nahrung.
Der benommene Gretchin tastete nach seiner neben ihm liegenden Klinge.
Xelyth trat ihm auf das Handgelenk und trennte ihm mit einer sauberen Bewegung die Hand ab.
Der Schrei, der folgte, war Musik.
Hinter ihr rappelte sich der Squig wieder hoch. Zäher, als er aussah. Immer hungrig. Immer wütend.
Ohne sich umzudrehen, packte Xelyth den Gretchin am Nacken seiner Lederfetzen und schleuderte ihn dem heranstürmenden Squig entgegen. Das Biest schnappte im Reflex zu. Seine Zähne klappten um den Arm des kleinen Grünlings.
Der Gretchin kreischte, als Knochen brachen. Dann schüttelte der Squig den Kopf wie ein Raubtier. Fleisch riss. Sehnen platzten. Der abgerissene Arm verschwand im gierigen Maul des Tieres.
Die Arena tobte.
Xelyth hob ihren Dolch wieder auf und wandte sich dem Squig zu. Das Monster raste erneut auf sie zu, blutverschmiert, blind vor Wut und Schmerz.
Sie blieb stehen.
Erst im letzten Herzschlag stieß sie beide Klingen mit der Präzision einer Arenakönigin in seine Augenhöhlen. Stahl drang tief bis ins Hirn. Der Squig brach mit einem nassen Laut zusammen und riss im Fallen einen seiner Reißzähne über die Haut ihres flachen Bauches. Nur ein Kratzer.
Sie schenkte der Wunde nicht einmal einen Blick.
Stattdessen ging sie zu dem verstümmelten Gretchin zurück. Er robbte noch, hinterließ eine rote Spur im Sand und winselte um Gnade in seiner widerwärtigen Sprache.
Xelyth kniete sich zu ihm hinab, als wolle sie ihm ein Geheimnis zuflüstern.
Dann rammte sie ihm beide Dolche tief in den Bauch.
Langsam.
Mit einer genüsslichen Drehung der Klingen.
Der Gretchin bäumte sich auf, keuchte, würgte und zitterte. Xelyth kostete jeden Herzschlag aus. Sie musste aufpassen, das Schauspiel nicht zu lange zu ziehen. Orks liebten Blut, aber sie hassten Langeweile.
Also beendete sie es, ehe ihr lieb war, und spaltete dem Gretchin mit einem Dolch den Schädel.
Einen Augenblick lang war nur das Hämmern primitiver Trommeln zu hören.
Dann brachen die Tribünen in Johlen aus.
Xelyth richtete sich auf, blutbespritzt, atmend wie nach einem Tanz. Wieder einen Tag unter Orks überlebt. Wieder einen Tag lang den Durst ihrer Art mit fremdem Leid gestillt. Wieder einen Tag lang die klauenhafte Aufmerksamkeit She Who Thirsts von ihrer Seele ferngehalten.
Doch tief in ihrem Inneren wusste sie die Wahrheit:
Morgen würde der Hunger zurückkehren.

II
Es hatte ein schneller, sauberer Überfall werden sollen.
Xelyth Vhaine war zusammen mit anderen Hekatarii und einem Trupp Kabalite Warriors ausgesandt worden, um eine abgelegene Mon-keigh-Kolonie heimzusuchen. Ein gewöhnlicher Raid: wenig Widerstand, viele Gefangene, reiche Beute für die Arenen und Laboratorien Commorraghs.
Doch nichts daran blieb gewöhnlich.
Fast zeitgleich fiel eine Ork-Raubrotte auf denselben Planeten ein. Offenbar hatten die Grünhäute auf einen härten Kampf gegen die Menschen gehofft. Stattdessen trafen sie auf Drukhari.
Und Orks verschmähten niemals einen guten Kampf.
Sie ignorierten die Kolonisten beinahe vollständig und warfen sich mit lautem Gebrüll auf Xelyths Streitmacht. Aus einem gezielten Überfall wurde binnen Augenblicken ein wildes Gemetzel aus splitternden Klingen, rohem Muskel und orkischer Raserei.
Xelyth tötete mehrere Orks in rascher Folge. Ihre Dolche öffneten Kehlen, Sehnen und Bäuche, und für einen kurzen, herrlichen Moment war der Kampf nichts als Rhythmus. Doch selbst sie erkannte bald, dass die schiere Masse der Grünhäute ihre Raid-Gruppe zu überrollen drohte.
Hinter ihr detonierte etwas mit brutaler Wucht. Ob eine Stikkbomb, eine fehlgeleitete Waffe oder der Tod eines improvisierten orkischen Geschützes, konnte sie nicht mehr erkennen. Ein Stück Metall traf sie am Hinterkopf.
Alles wurde schwarz.
—
Als das Bewusstsein zurückkehrte, spürte sie zuerst ein Zerren an ihrem Arm und roch dann den fauligen Atem eines Grünlings.
Sie schlug die Augen auf.
Direkt über ihr kauerte ein widerlicher Gretchin und versuchte, ihr den Dolch aus der noch immer verkrampften Hand zu reißen.
Im Reflex riss Xelyth den Kopf hoch und rammte dem Grünling die Stirn gegen die Nase. Knorpel brach mit einem hässlichen Geräusch.
Noch während der Gretchin zurücktaumelte, fuhr ihr Arm hoch.
Der Dolch trennte ihm den Kopf vom Hals.
Xelyth richtete sich auf, noch immer benommen. Rings um sie lagen tote Drukhari und Orks. Einige Gretchin und Grünhäute plünderten bereits die Gefallenen und unterschieden dabei nicht zwischen Freund und Feind.
Wie lange war sie bewusstlos gewesen? Wo waren die Raider-Gleiter? Wo waren die Schiffe, die Überlebenden, der Rückzug?
Ein paar Orks wurden auf sie aufmerksam und näherten sich mit jener neugierigen Mordlust, die ihre Art auszeichnete.
Xelyth nahm Haltung an, so gut es ihr Zustand zuließ. Ihr Schädel pochte. Ihre Rippen brannten. Blut lief ihr warm den Nacken hinab. Doch der Dolch lag noch in ihrer Hand, und das genügte.
Der erste Ork stürmte mit einer rostigen Machete auf sie zu.
Zu schnell.
Zu unkonzentriert.
Zu leicht.
Xelyth duckte sich unter dem Hieb hinweg. Der erste Schnitt öffnete den Bauch des Orks. Der zweite kappte die Muskeln seines rechten Oberschenkels. Der dritte zerstörte das linke Bein.
Er brach keuchend zusammen.
Sein Schmerz rann in sie hinein wie schwaches Feuer. Nicht annähernd so köstlich wie der einer Mon-keigh-Seele, und weit weniger fein als das Leid eines Tau oder Eldar. Orks waren stumpfer, zäher, schmerzdumpf.
Aber Schmerz blieb Schmerz.
Und sie nahm, was sie bekommen konnte.
Mehr Orks traten näher und schlossen einen Kreis um sie. Xelyth hob den Dolch, drehte sich leicht, zwang sie auf Abstand zu bleiben.
Die Grünhäute grinsten. Einer von ihnen, breiter als die anderen und mit einem schweren Metallrohr bewaffnet, trat vor.
Er schlug nach ihr.
Xelyth fing den Hieb mit ihrer Klinge ab.
Die Wucht dahinter fuhr ihr bis in die Schultern. Sie wurde auf ein Knie gedrückt, und ringsum brach gröhlender Jubel aus.
Sie ließ das Rohr an ihrer Klinge entlanggleiten, trat nach vorn und schlug dem Ork mit der freien Faust ins Gesicht.
Es war, als hätte sie gegen eine Mauer geschlagen. Schmerz schoss ihr durch die Finger.
Der Ork antwortete mit einem Faustschlag in ihren Magen.
Xelyth wurde mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert. Die Umstehenden wichen lachend zurück, um ihr freie Bahn zu lassen. Sie prallte hart auf den Boden und blieb auf dem Rücken liegen, während ihr für einen Moment die Luft fehlte.
Der Ork kam näher, warf das Metallrohr beiseite und packte ihren Kopf mit beiden Händen. Langsam begann er zuzudrücken.
Xelyth spürte, wie Druck auf ihren Schädel wuchs, bis Knochen zu knacken drohten.
Mit letzter Kraft rammte sie ihm den Dolch seitlich in den Hals.
Sofort ließ der Druck nach.
Sie wollte die Klinge wieder herausreißen, doch sie hatte sich tief verkeilt, irgendwo zwischen Wirbeln, Sehnen und Muskelsträngen.
Noch ehe sie weiterziehen konnte, griffen mehrere große, raue Hände nach ihren Schultern und Armen und rissen sie hoch.
Griffe wie Schraubstöcke.
Halb gezerrt, halb getragen wurde sie zu einem Ork gebracht, der noch größer war als die übrigen. Narben, Metallplatten und rohe Autorität machten klar, dass er hier das Sagen hatte.
Er musterte sie wie ein Tier, das man nicht sofort schlachten, sondern erst noch benutzen wollte.
Dann sprach er in gebrochenem Eldari, langsam, angestrengt und mit sichtlichem Stolz über jedes richtig geformte Wort.
„Hartnäckiges Spiky Stabby Panzee Girl. Du willst töten. Du wirst töten. Für unser Vergnügen.“
Er machte eine knappe Handbewegung.
Die Orks zerrten Xelyth fort.

III
Sie schleppten Xelyth in ihr Lager, eine widerwärtige Ansammlung aus zusammengeschweißtem Schrott, schiefen Metallplatten und aufgespießten Überresten, die nur mit orkischer Logik als eine Art Fort gelten konnte.
Zum ersten Mal in ihrem langen Leben sah sie Orks aus solcher Nähe, ohne sie im selben Atemzug zu töten. Der Gedanke allein war abstoßend.
Der ganze Ort roch nach altem Fett, Schmieröl, Blut, Rauch, Exkrementen und jener feuchten, animalischen Fäulnis, die an den Grünhäuten selbst zu kleben schien. Überall lärmten sie, stritten, grölten, boxten einander aus nichtigem Anlass oder schleppten Beute durch den Schlamm, als wären sie Herren irgendeines Reiches und nicht bloß eine wuchernde Plage. Gretchin huschten zwischen ihren Beinen hindurch wie Ratten. Squigs zerrten an Ketten, bissen nach allem in Reichweite und wurden von den Orks mit Tritten, Gelächter oder Schlägen bedacht.
Die Blicke, die Xelyth auf sich zog, waren fast so widerlich wie der Gestank. Gelbe Augen folgten ihr voller roher Neugier, dumpfer Bosheit und jener einfältigen Vorfreude, mit der Raubtiere ein verletztes Tier mustern. Einige Orks bleckten grinsend die Zähne. Andere stießen einander an und deuteten mit klobigen Fingern auf sie, als hätten sie ein besonders interessantes Stück Beute erlegt. Für sie war sie keine Person, nicht einmal ein Feind. Nur etwas Exotisches. Etwas, das bald bluten würde.
Xelyth erwiderte ihre Blicke mit offener Verachtung. Wären ihre Arme frei gewesen, hätte sie ihnen gezeigt, wie schnell aus Neugier Geschrei werden konnte.
Schließlich warfen sie sie in einen vergitterten Verschlag, in dem bereits einige Menschen zusammengepfercht waren. Als Xelyth im Halbdunkel zwischen ihnen landete, brach sofort Panik aus. Ein paar wichen mit erstickten Lauten zurück. Andere pressten sich so eng an die Wände, als könnten sie im morschen Metall verschwinden.
Natürlich.
Für diese Mon-keigh war sie kaum weniger furchteinflößend als die Orks draußen.
Nach einer Weile löste sich einer von ihnen zögernd aus der Gruppe. Ein schmaler, ausgezehrter Mann mit eingefallenen Wangen und dem stumpfen Blick eines Gebrochenen. Vorsichtig schob er ihr eine Schale mit einem Stück kaum definierbaren Fleisches hin, dazu einen Becher Wasser. Offenbar hoffte er, sich auf ihre gute Seite zu stellen, bevor sie entschied, was sie mit ihnen anfangen würde.
Xelyth betrachtete das Angebot mit kalter Gleichgültigkeit.
Körperlich würde sie hier so schnell nicht verhungern. Drukhari brauchten nur wenig gewöhnliche Nahrung, weit weniger als diese schwächlichen Kreaturen.
Doch der andere Hunger war ungleich schlimmer.
Der Hunger ihrer Seele.
Der Hunger, der mit jeder Stunde stärker an ihr nagte und nur durch Schmerz, Angst und Leid wirklich gestillt werden konnte. Nur dadurch ließ sich She Who Thirsts auf Distanz halten.
Langsam hob Xelyth den Blick und sah zu den Menschen hinüber.
Die Orks würden kaum etwas dagegen haben, wenn sie sich mit einigen von ihnen ein wenig die Zeit vertrieb.
Der Gedanke war unerquicklich.
Aber der Hunger machte aus allem eine Versuchung.

IV
Am nächsten Tag wurde die Tür des Verschlags aufgerissen. Ein Ork duckte sich unter dem Rahmen hindurch, zeigte mit einem dicken Finger auf Xelyth und bedeutete ihr mit einer knappen Geste, herauszukommen.
Kaum war sie nah genug, packte er sie brutal am Oberarm. Ein zweiter Griff schloss sich um ihren anderen Arm. Vor ihr stand ein dritter Ork mit einer schweren, zusammengeschweißten Knarre, deren Lauf aus mindestens drei verschiedenen Waffen zu stammen schien. Xelyth hatte nicht die geringste Lust herauszufinden, was für Geschosse dieses Monstrum verschoss. Die Mündung zeigte direkt auf ihr Gesicht.
Also waren sie vorsichtiger geworden.
Gut.
Das bedeutete, dass sie gelernt hatten.
Die drei führten sie zu dem, was die Orks wohl für eine Arena hielten. In Wahrheit war es kaum mehr als ein grob eingezäunter Kampfplatz aus Schrottgittern, Eisenpfählen und zusammengeschlagenen Metallplatten. Der Boden war festgestampfter Dreck, dunkel von altem Blut.
Die beiden Orks hievten Xelyth über den Zaun und warfen sie in den Ring. Der dritte blieb draußen stehen und behielt die Waffe auf sie gerichtet.
Also besser, den Bereich vorerst nicht zu verlassen.
Kurz darauf landeten zwei verrostete Ork-Macheten vor ihren Füßen.
Xelyth hob sie auf. Schwer. Grob. Scharf genug, um Fleisch zu öffnen, aber unerquicklich unausgewogen. Keine Eleganz. Keine Präzision. Nur rohe Masse, gebaut für Gewalt statt Kunst. Eine der Klingen rammte sie probeweise senkrecht in den Boden. Die andere ließ sie durch die Finger kreisen, prüfte Gewicht, Trägheit und den falschen Schwerpunkt der Waffe.
Um sie herum brandete orkisches Gebrüll auf.
Dann kletterte auf der anderen Seite ein Mensch über den Zaun.
Er landete hart, fing sich sofort und richtete sich zu voller Größe auf. In den Händen hielt er zwei grobe Ork-Messer. Über dem Körper trug er zusammengebundene Metallplatten und Lederstreifen als primitive Rüstung. Für einen Mon-keigh war er muskulös, trainiert, voller alter Narben. Kein gewöhnlicher Gefangener. Eher etwas, das die Orks absichtlich am Leben gehalten hatten.
Ihr Champion, dachte Xelyth.
Der Mann riss die Arme hoch, und das Publikum tobte.
Dann drehte er sich zu ihr um.
Als er erkannte, wem er gegenüberstand, wich die Farbe aus seinem Gesicht.
Ein Ork schlug mit einem Gretchin-Schädel gegen eine Metallplatte.
Der Kampf begann.
Der Mensch kam zuerst.
Nicht plump, nicht panisch, sondern mit der angespannten Vorsicht eines Mannes, der viele Kämpfe überlebt hatte, indem er jede Schwäche sofort ausnutzte. Seine erste Klinge zwang Xelyth zum Block. Die zweite fuhr tief nach. Sie wich knapp aus und spürte den Luftzug an ihren Rippen.
Schnell.
Für einen Menschen überraschend schnell.
Und diese widerwärtigen Ork-Klingen verhielten sich falsch in ihrer Hand. Zu schwer in der Spitze, zu träge im Wechsel, zu grob im Gleichgewicht. Jede Bewegung verlangte mehr Kraft und einen anderen Rhythmus, als ihre Kunst ihn kannte.
Der Mann erkannte ihr Zögern sofort.
Er drängte nach, ließ ihr keinen Raum, hämmerte Hieb auf Hieb gegen ihre Deckung. Eine Klinge streifte ihre Schulter. Die andere riss eine flache Linie über ihren Oberschenkel. Nichts Ernstes.
Aber vor den Augen der Orks wirkte es gut.
Das Gebrüll wurde lauter.
Xelyth lächelte kalt.
Sie gab noch einen Schritt nach, dann noch einen, ließ den Menschen glauben, er habe das Maß des Kampfes gefunden. Er wurde mutiger. Größer in seinen Bewegungen. Gieriger nach dem nächsten Treffer.
Ein Fehler.
Xelyth spürte nun endlich, wie die orkische Machete arbeiten wollte. Nicht wie eine Klinge, sondern wie ein Haken aus Eisen und Wut. Also hörte sie auf, sie wie eine elegante Drukhari-Waffe führen zu wollen.
Als der Mensch erneut angriff, fing sie seine rechte Hand nicht hart ab, sondern glitt an der Klinge entlang, ließ den Schlag seitlich ins Leere laufen und hakte mit ihrer eigenen Waffe brutal von unten ein. Stahl krachte gegen Stahl. Seine Messerhand wurde hochgerissen.
Noch ehe er reagieren konnte, trat sie vor, rammte ihm die Stirn ins Gesicht und spürte, wie etwas in seiner Nase brach.
Er taumelte zurück.
Die Orks johlten.
Jetzt gehörte der Rhythmus ihr.
Sie jagte voran, beide Macheten in kurzen, harten Bewegungen. Kein Tanz mehr. Ein Schlachten. Ein Hieb schnitt ihm über den Unterarm. Der nächste riss die Schulter auf. Der dritte spaltete die Lederbänder seiner Brustpanzerung, und Metallstücke fielen klirrend in den Dreck.
Der Mensch kämpfte verzweifelt weiter. Er war gut. Zäh. Mutig auf eine stumpfe, bewundernswerte Mon-keigh-Art. Zweimal zwang er sie noch zum Ausweichen. Einmal streifte seine Klinge ihre Seite. Dann nicht mehr.
Xelyth schlug ihm das erste Messer aus der Hand.
Einen Herzschlag später das zweite.
Er wollte sich auf sie werfen, wahrscheinlich im Versuch, sie mit bloßem Gewicht zu Boden zu reißen. Sie trat ihm das Knie seitlich weg, und er stürzte hart in den Staub.
Bevor er sich wieder aufrichten konnte, war sie auf ihm.
Ein Knie auf seiner Brust. Eine Machete quer an seiner Kehle. Die andere Spitze tief in seinen Bauch gedrückt, gerade weit genug, um Schmerz zu bringen, aber nicht Erlösung.
Der Mensch keuchte. Sein Blick war voller Hass, Angst und der bitteren Erkenntnis, dass er vor einer Kreatur lag, die ihn weit langsamer töten konnte, als jeder Ork es je getan hätte.
Xelyth beugte sich zu ihm hinab.
Dann rammte sie die Klinge in seinen Leib.
Langsam.
Nicht tief genug, um lebenswichtige Organe sofort zu zerstören. Nur tief genug, um Nerven, Fleisch und nackten Schrecken zu öffnen. Sie zog die Schneide wieder heraus und ließ sie diesmal über seine Haut laufen, riss ihm eine lange blutige Furche über den Oberkörper.
Seine Schreie stiegen hell und rau in die Luft.
Und Xelyth trank sie in sich auf wie ein Verdurstender Wasser.
Es war nicht die feine, exquisite Qual eines Eldar. Nicht das reichhaltige Bouquet echter Furcht, wie es ein kultivierter Geist hervorbringen konnte. Aber es war Schmerz. Lebendig, unmittelbar, menschlich.
Nahrung.
Für einen Augenblick schwieg das Nagen in ihrer Seele.
Dann traf sie etwas am Kopf.
Ein fauliges Stück Frucht.
Dann Fleischreste.
Dann noch mehr undefinierbarer Abfall.
Unter Buhrufen und gröhlendem Gelächter begannen die Orks, sie zu bewerfen.
Noch immer auf dem Menschen kniend, hielt Xelyth einen Moment inne.
Sie verstand nicht, was geschehen war.
Eben noch hatte die Menge gejohlt. Jetzt flogen ihr Abfälle entgegen und aus dem Jubel war wütendes Gebrüll geworden. Faule Frucht platzte an ihrer Schläfe. Fleischreste klatschten gegen ihre Schulter. Irgendetwas Hartes traf sie an der Wange.
Für einen Herzschlag blieb sie einfach auf dem Mann hocken und starrte in die tobenden Ränge, ohne den plötzlichen Umschwung zu begreifen.
Dann stürmten die drei Orks von zuvor in den Ring. Sie packten Xelyth grob an Armen und Schultern und rissen sie von dem halbtoten Menschen herunter. Einer schlug ihr die Machete aus der Hand. Unter dem Johlen und Fluchen der Menge zerrten sie sie zurück zum Verschlag und warfen sie hinein.
Der Mann vom Vorabend trat langsam auf sie zu. Vorsichtig, mit dem Blick eines Wesens, das gelernt hatte, zwischen Monstern zu überleben. Wortlos sammelte er die Fruchtstücke und Fleischreste von ihrer Haut und aus ihrem Haar.
Extrarationen.
Dann sah er sie an und sagte langsam, mit betonter Deutlichkeit in der Sprache der Menschen:
„Orks wollen nicht langsam. Nicht Schreie. Nicht Leid.“
Er machte eine hackende Bewegung mit der Hand, als würde er jemanden in Stücke schlagen.
„Orks wollen Action. Viel Blut. Schneller Kampf. Harte Treffer. Spaß.“
Xelyth sah ihn einen Moment lang reglos an.
Erst jetzt begriff sie.
Nicht der Sieg hatte den Grünhäuten missfallen.
Nicht einmal der Schmerz.
Sondern die Art, wie sie ihn dargeboten hatte.
Zu langsam. Zu fein. Zu sehr auf Genuss, Leid bedacht.
Orks wollten keinen kunstvollen Tod.
Sie wollten Gewalt, die selbst ein Besoffener auf den billigsten Rängen noch brüllend feiern konnte.

V
Langsam trat Xelyth zum seitlichen Tor der Arena. Hinter ihr zerrten Gretchin ihren Kameraden mit dem gespaltenen Schädel und die blutigen Reste des Squigs aus dem Ring.
Vor dem Ausgang wartete bereits ein Gretchin mit einem für orkische Verhältnisse erstaunlich sauberen Tuch.
Xelyth kannte das Ritual inzwischen. Sie legte ihre Klingen darauf, und der Grünling huschte mit ihnen durch eine kleine Nebentür davon. Erst danach wurde das eigentliche Tor geöffnet.
Dahinter stand ihr Ork.
Massig, breit wie eine Panzerschottwand, mit kleinen, misstrauischen Augen und Armen wie Hydraulikkolben. Nicht ihr Ork, wie ein Besitzstück, sondern der Ork, der ihr zugeteilt worden war. Ihr Wächter. Ihr Schatten. Ihr Käfig auf zwei Beinen.
Seit Xelyth den Grünhäuten brauchbare Kämpfe und blutige, schnelle Schauspiele lieferte, war sie in ihrer grobschlächtigen Gunst gestiegen. Gefangen war sie noch immer, daran bestand kein Zweifel. Doch eine nützliche Gefangene genoss Freiheiten, die andere nicht hatten. Mit ihrem Aufpasser durfte sie sich vergleichsweise ungehindert durch Teile des Lagers bewegen.
Natürlich stets unbewaffnet.
Er brachte sie zu ihrem Verschlag, einer kleinen Metallbox aus vernieteten Platten, kaum größer als eine Zelle. Doch selbst unter Orks hatte ein Champion seine Vorteile.
In der Box wartete Luke, der alte Mensch, der ihr an ihrem ersten Tag Essen gereicht hatte. Xelyth hatte den Orks erklärt, sie wolle ihn als persönlichen Sklaven. Die Grünhäute hatten gegrinst und keinen Einwand erhoben. In Wahrheit war Luke weit wertvoller als ein Diener: Er half ihr mit seinem Wissen über die Orks, und diese primitive Spezies erwies sich als erheblich komplexer, als Xelyth zunächst angenommen hatte.
Auf ihren Wunsch hin hatte er beobachtet, gezählt, zugehört und sich gemerkt, welche Wege die Mekboyz nahmen, welche Bosse Zugang zu Fahrzeugen hatten und wo die Flugmaschinen der Orks abgestellt wurden.
Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, ging Xelyth zuerst zu einem der kleinen Käfige in der Ecke. Darin hockten einige einheimische Nager, die Luke irgendwo im Lager aufgetrieben hatte. Xelyth hatte den Orks eingeredet, diese Kreaturen seien eine Delikatesse ihrer Art. So konnte Luke sich halbwegs frei durchs Lager bewegen, angeblich um weitere Tiere zu fangen.
In Wahrheit nutzte er jede Gelegenheit, das Lager auszuspähen.
Sie griff eines der Tiere, schloss die Finger darum und zerdrückte es langsam.
Ein winziger Schmerz. Ein kümmerlicher Hauch von Leben, Angst und Ende.
Kaum mehr als ein Bissen für ihre gequälte Seele.
Aber besser als nichts.
Selbst nach dem Kampf in der Arena hatte das Nagen in ihrem Inneren nicht aufgehört.
Erst als beide sicher waren, dass der Ork vor der Tür in das schwere, rasselnde Schnarchen seiner Art verfallen war, begannen sie leise zu sprechen.
Luke trat näher und senkte die Stimme noch weiter.
„Ich habe herausgefunden, wo sie die Flieger abstellen“, murmelte er. „Fast nur orkischer Schrott. Aber da steht auch eine Valkyrie. Für orkische Verhältnisse sieht sie von außen beinahe unberührt aus. Zumindest so weit, wie ich sie sehen konnte. Aber sag mir ehrlich: Ist es wirklich eine gute Idee, mit orkischem Schrott fliehen zu wollen?“
Xelyth sah ihn an.
Dann nickte sie nur.

VI
Ein paar Tage später wurde Xelyth erneut zur Arena geführt. Diesmal waren es nicht zwei Orks, sondern drei. Und sie nahmen auch Luke mit.
Schon auf dem Weg dorthin bemerkte Xelyth, dass etwas anders war.
Das Lager war leer.
Nicht beinahe leer. Nicht ungewöhnlich still.
Leer.
Die gesamte Grünhautrotte hatte sich offenbar bei der Arena versammelt. Seit dem letzten Kampf hatten die Orks sogar zusätzliche Tribünen an das rostige Konstrukt geschweißt. Neue Streben, neue Plattformen, neue Schrottplatten, hastig und ohne jedes Verständnis für Statik übereinandergetürmt. Doch orkische Baukunst gehorchte nie den Gesetzen vernünftiger Völker. Solange genug daran glaubten, hielt der Schrott.
Je näher sie kamen, desto deutlicher sah Xelyth, dass die Arena weiter verändert worden war. Die Wände waren erhöht worden. Neue Metallplatten ragten nach oben wie gezackte Zähne.
Luke wurde in Richtung einer der Tribünen abgeführt.
Xelyth trat durch das offene Tor.
Das Erste, was ihr auffiel, waren die schweren Wummen, die auf den nun höheren Wällen montiert worden waren. Mindestens acht Stück. Dazu saßen in den ersten Reihen Dutzende bewaffnete Orks mit entsicherten Shootas, alle mit den Läufen auf den Ring gerichtet.
Was immer heute geschehen sollte, die Grünhäute wollten ganz sicher sein, dass es im Ring blieb.
Auf dem vertrauten Tuch lagen ihre Dolche bereits bereit.
Doch diesmal lagen daneben noch weitere Waffen: grobe Ork-Macheten, Speere mit geschärften Spitzen, lange Stangenwaffen, an deren Enden gezackte Klingen und rostige Haken befestigt waren, sowie anderes orkisches Stech- und Schlachtgerät.
Xelyths Griff spannte sich unwillkürlich.
Was für ein Kampf verlangte nach einem ganzen Arsenal?
Ein ungutes Gefühl kroch langsam in ihr empor, als sie begriff, dass wortwörtlich das gesamte Lager auf sie starrte.
Dann öffnete sich das Tor auf der gegenüberliegenden Seite.
Mehrere Orks und Gretchin schoben eine schwere Metallkiste in die Arena. Ungewöhnlich vorsichtig für ihre Art. Das Ding war etwa drei Meter lang und fast mannshoch, an mehreren Stellen mit zusätzlichen Platten verstärkt und mit hastig verschweißten Streben ummantelt, als hätte man Angst gehabt, der Inhalt könnte sich sonst herausbrechen.
Xelyth hörte ein dumpfes Poltern aus dem Inneren.
Dann ein Kratzen.
Die Kiste bebte kurz.
Die Grünhäute brachten sie gerade weit genug hinein, dass das Tor hinter ihr wieder geschlossen werden konnte. Danach zogen sich alle zurück.
Bis auf einen einzigen Gretchin.
Der kleine Grünling band ein Seil an einen Griff am Boden der Vorderseite der Kiste und kletterte dann oben auf das Metallgehäuse, das Seil fest in beiden Händen.
Ein erwartungsvolles Raunen ging durch die Arena.
Xelyth nahm ihre Dolche auf und ging leicht in die Breite. Nicht zu tief. Bereit zum Sprung. Bereit zum Ausweichen. Bereit für etwas, das selbst die Orks nicht offen in den Ring treiben wollten.
Dann erklang das Startsignal: das hohle, widerliche Geräusch, mit dem ein Gretchin-Schädel gegen eine Metallplatte geschlagen wurde.
Der Gretchin auf der Kiste riss am Seil.
Die Frontplatte schnellte mit solcher Wucht nach oben, dass der kleine Idiot nicht rasch genug zurückkam. Das schwere Metallblatt erfasste ihn frontal und zerschmetterte ihn zwischen Kiste und Frontplatte zu einem roten Brei.
Die Orks brüllten vor Vergnügen.
Einen Herzschlag später kroch etwas aus der Dunkelheit im Inneren.
Nicht ein Tier.
Nicht ein gewöhnliches Monster dieses Planeten.
Etwas Fremdes.
Etwas, das sich mit der hungrigen, ruckhaften Präzision eines lebenden Messers bewegte.
Ein Hormagaunt.
Sein chitinharter Leib war mit Schrammen, Brandnarben und notdürftig verheilten Rissen übersät, als hätte die Bestie bereits mehrere Gefangenschaften und Kämpfe überstanden. Sichelklauen schabten über das Metall. Speichel tropfte in langen Fäden aus seinem schmalen, zuckenden Maul.
Xelyth erstarrte nicht. Sie ließ die Bestie nicht aus den Augen, während ihr Verstand bereits nach Schwächen, Distanzen und Bewegungsmustern suchte.
Aber sie verstand augenblicklich, weshalb heute das gesamte Lager gekommen war.
Die Orks wollten keinen gewöhnlichen Arenakampf sehen.
Sie wollten sehen, ob ihre kleine drukhari’sche Klingenkünstlerin auch gegen einen Albtraum aus den Sternen bestehen konnte.

VII
Der Hormagaunt kam nicht aus der Kiste gekrochen.
Er schoss heraus.
Mit einer Geschwindigkeit, die selbst Xelyth für einen Herzschlag überraschte, schnellte die Kreatur vor, Sichelklauen vorgereckt, der ganze Leib ein einziger Impuls aus Hunger und Gewalt. Xelyth riss sich zur Seite. Eine Klaue fuhr dort durch die Luft, wo eben noch ihr Kopf gewesen war, und schlug mit solcher Wucht Funken aus einer Metallplatte am Arenarand.
Die Orks tobten.
Xelyth ging sofort in Bewegung. Gegen etwas derart Schnelles war Stillstand Tod. Der Hormagaunt jagte ihr nach, sprang, kratzte, schnitt. Sie duckte sich unter einem Hieb hinweg, fing den nächsten mit gekreuzten Dolchen ab und spürte, wie ihr die Arme von der Wucht taub wurden. Die Klauen waren keine Waffen im eigentlichen Sinn. Sie waren lebende Klingen, geführt von einem Organismus, der nur dafür geboren worden war, zu zerreißen.
Sie wich zurück, ließ den Gaunt an sich vorbeischießen und zog eine ihrer Klingen über eine der Vorderextremitäten. Metall hätte den Schnitt kaum bemerkt. Das Chitin reagierte nur mit einem dünnen Kreischen. Zu hart. Zu glatt. Zu widerstandsfähig für einen schnellen, sauberen Tod.
Der Hormagaunt wirbelte herum und griff erneut an.
Jetzt verstand Xelyth den eigentlichen Schrecken dieser Bestie. Kein Zögern. Kein Schmerzverhalten wie bei Orks oder Menschen. Kein Instinkt, der sich genießen ließ. Nur endlose, fokussierte Aggression. Als kämpfe sie nicht gegen ein Lebewesen, sondern gegen den Willen eines fernen Schwarms, verdichtet zu Muskeln, Panzer und Sichelknochen.
Ein Sprung zwang sie rückwärts. Eine Klaue riss ihr die Haut an der Seite auf. Die zweite zerschlug ihr fast den rechten Dolch aus der Hand. Sie rollte sich durch den Dreck, kam wieder hoch und hörte über sich das ekstatische Gebrüll der Orks.
Sie wollten Blut.
Nun, sie bekamen Blut.
Xelyth ließ den Hormagaunt kommen und führte ihn diesmal bewusst auf die linke Arenaseite zu, wo die neuen Metallplatten hastig auf alte Verstrebungen geschweißt worden waren. Selbst für Ork-Verhältnisse sah der Abschnitt wacklig aus.
Der Gaunt sprang.
Im letzten Augenblick glitt Xelyth beiseite. Die Bestie verfehlte sie knapp und krachte mit der ganzen Masse ihres Körpers gegen die Wand. Metall kreischte. Nieten sprangen. Eine Stütze bog sich nach außen.
Die Tribüne darüber schwankte.
Die Orks johlten nur noch lauter.
Xelyth lächelte kalt.
Sie würden heute noch eine teure Lektion lernen.
Der Hormagaunt setzte wieder nach. Xelyth rannte diesmal nicht weg, sondern direkt auf einen der bereitgelegten Speere zu. Sie ließ einen Dolch fallen, griff im Vorbeilaufen den Schaft und wirbelte herum, gerade als der Gaunt sich erneut auf sie stürzte.
Sie stieß den Speer nach vorn.
Nicht, um zu töten.
Nur, um zu lenken.
Die Spitze fuhr der Kreatur zwischen Chitinplatten an der Schulter entlang. Nicht tief genug, um sie aufzuhalten, aber ausreichend, um ihren Sprung minimal zu brechen und den Leib schräg zu drehen. Der Hormagaunt prallte nicht in Xelyth, sondern seitlich in eine weitere Stütze der Arena.
Diesmal brach Metall.
Ein Teil des erhöhten Walles sackte ein. Zwei Orks und eine schwere Wumme kippten unter kreischendem Protest nach vorn. Die Waffe löste sich aus ihrer Halterung, schlug unten auf und entlud sich sofort in einer unkontrollierten Salve. Kugeln rissen durch die ersten Reihen, zerfetzten Holz, Schrott und Grünhäute gleichermaßen.
Einen Herzschlag lang herrschte Stille.
Dann brach Panik aus.
Nicht bei allen. Orks kannten wenig echte Furcht. Aber sie liebten Chaos, und Chaos breitete sich nun schneller aus als Feuer in Promethiumdämpfen. Einige brüllten vor Freude. Andere griffen nach ihren Shootas. Wieder andere schlugen aufeinander ein, weil irgendwer irgendwen geschubst hatte. Gretchin kreischten und sprangen von den Rängen. Eine weitere Tribünenstrebe knickte unter dem Gewicht zu vieler stampfender Grünhäute ein.
Xelyth nutzte den Augenblick.
Der Hormagaunt war bereits wieder bei ihr.
Diesmal ließ sie den Speer los, griff nach einer der orkischen Hakenstangen und duckte sich unter den ersten Sichelhieb. Dann verkeilte sie den Haken mit aller Kraft unter einer Panzerplatte am Halsansatz der Bestie und riss den Schaft zur Seite.
Nicht, um den Gaunt festzuhalten. Das wäre töricht gewesen.
Nur, um seinen Lauf ein weiteres Mal umzulenken.
Die Kreatur stürmte weiter, halb springend, halb schleifend, und riss Xelyth fast die Arme aus den Schultern. Doch ihr Kurs hatte sich verändert. Statt mitten durch den Ring raste der Hormagaunt nun schräg auf den Hauptpfeiler der rechten Tribüne zu.
Xelyth warf sich zu Boden und ließ los.
Der Einschlag kam wie ein Artillerietreffer.
Schrottplatten barsten. Streben brachen. Der ganze vordere Teil der Tribüne sackte mit einem infernalischen Kreischen nach unten. Orks, Gretchin, Waffen, Ketten und Metallteile stürzten in einer Lawine aus Lärm und Eisen in die Arena. Eine Shoota feuerte noch während des Falls und mähte einem Nob hinter ihr den halben Schädel weg. Irgendwo explodierte Munition.
Die Arena war jetzt kein Ring mehr.
Sie war ein Schlachtfeld.
Der Hormagaunt verschwand für einen Moment zwischen Trümmern und zappelnden Grünhäuten. Als er wieder auftauchte, war er noch blutiger als zuvor. Nicht sein Blut. Orkblut. Er hatte im blinden Vorwärtsdrang alles zerrissen, was zwischen ihm und Bewegung gestanden hatte.
Xelyth hätte ihn nicht besiegen können, jedenfalls nicht schnell.
Also tat sie etwas Klügeres.
Sie gab den Orks ein neues Ziel.
Mit einem scharfen Pfiff und einer blitzenden Bewegung sprang sie auf ein halb eingestürztes Stück Mauer, ritzte dem vorbeischießenden Gaunt mit einem Dolch über das Gesicht und landete jenseits einer Schutthalde. Die Bestie kreischte und setzte sofort nach.
Genau, dachte Xelyth.
Komm.
Sie führte den Hormagaunt in einem Zickzackkurs durch den zusammenbrechenden Teil der Arena, vorbei an panischen Gretchin und schießwütigen Orks. Jede verfehlte Attacke des Gaunts zerschlug mehr von den morschen Wänden. Jede orkische Salve, die ihn treffen sollte, traf stattdessen Metall, Tribünen oder andere Orks.
Schließlich erreichte Xelyth den äußeren Wall der Arena, dort, wo die hastig erhöhte Begrenzung auf einen Versorgungsgang aus Schrottplanken und Munitionstonnen traf.
Sie sprang auf die schmale Kante, drehte sich im Lauf und schleuderte ihren letzten Dolch in eine Kette, an der lose ein Bündel Munitionskisten hing.
Der Dolch kappte das Metallglied.
Die Kisten stürzten herab.
Im selben Moment raste der Hormagaunt in die Wand unter ihnen.
Schrott brach auf.
Die Kanister platzten.
Einer der umherzischenden Shoota-Schüsse fand endlich etwas, das explodieren wollte.
Die Detonation riss ein gähnendes Loch in die Arenaseite. Feuer schlug nach außen, Schrott regnete über den Hof dahinter, und eine Druckwelle warf Xelyth seitlich in den Dreck.
Als sie wieder hochkam, sah sie das, was sie hatte sehen wollen:
Einen offenen Fluchtweg.
Hinter der zerstörten Außenwand lag, jenseits eines Hanges aus Schrott und brennenden Trümmern, der äußere Teil des Lagers. Dahinter ragten Masten, Wartungsgerüste und die zerfetzten Silhouetten orkischer Flugmaschinen in den rötlichen Himmel.
Das Flugfeld.
Xelyth zögerte nicht.
Hinter ihr brüllten Orks, als der Hormagaunt sich erneut durch ihre Reihen schnitt. Irgendwo schrie jemand nach mehr Dakka. Perfekt.
Im vollkommenen Durcheinander bemerkte kaum jemand, dass die kleine drukhari’sche Arenakämpferin nicht mehr Teil der Vorstellung sein wollte.
Xelyth sprang durch die rauchende Bresche, landete zwischen verbogenen Metallplatten, fing sich ab und rannte los.
Nicht zurück.
Nicht zu einem Versteck.
Sondern direkt in Richtung des Flugfeldes.

VIII
Xelyth rannte über das Flugfeld.
Überall stand orkischer Schrott: zusammengeflickte Jets, halb zerlegte Wummenplattformen, rostige Treibstofffässer, Munitionskisten und Flugmaschinen, bei denen schon der bloße Anblick die Frage aufwarf, wie sie sich überhaupt in der Luft halten konnten.
Und dann sah sie die Valkyrie.
Selbst auf die Entfernung wirkte sie fremd zwischen all dem Schrott. Schlanker. Klarer. Zweckmäßiger. Ein Stück imperialer Ordnung inmitten orkischer Verwahrlosung. Die Grünhäute mussten sie erst vor Kurzem erbeutet haben. Die Mekboyz hatten offenbar noch nicht genügend Zeit gefunden, sie vollständig zu entweihen.
Xelyth setzte zum Sprint an.
Da riss eine Explosion neben ihr den Boden auf.
Erde, Schrott und Steinsplitter peitschten ihr entgegen. Die Druckwelle hob sie förmlich aus dem Lauf und schleuderte sie durch die Luft. Sie schlug hart auf, rutschte über den Boden und blieb keuchend liegen, während ihr für einen Augenblick jeder Atemzug wie Feuer vorkam.
Als sie sich herum drehte, sah sie ihn.
Den Warboss.
Den größten Ork weit und breit, überzogen mit Narben, Metallplatten und roher Autorität. Denselben, der sie gefangen genommen und später in die Arenen hatte werfen lassen. Er stand breitbeinig zwischen Rauch und Schrott, größer, als sie ihn in Erinnerung hatte, als wäre selbst die Gewalt um ihn herum noch gezwungen zu wachsen. In seiner Pranke hielt er eine noch rauchende Waffe, irgendwo zwischen Flinte, Handkanone und tragbarem Artilleriestück.
Er begann bereits nachzuladen.
Dann grinste er und sprach wieder in seinem gebrochenen Eldari.
„Undankbares Spiky Stabby Panzee Girl. Wir geben dir Job. Töten. Vergnügen machen. Und du läufst weg.“
Xelyth versuchte sich aufzurichten.
Doch nach dem Kampf, dem Rennen und nun auch noch der Explosion verweigerte ihr Körper für einen Moment den Gehorsam. Ihre Muskeln zitterten. Ihre Rippen brannten. Jeder Atemzug kam zu flach.
Der Warboss hob die Waffe und zielte auf ihren Kopf.
Sein Finger zog bereits am Abzug.
Dann riss die Mündung plötzlich zur Seite.
Der Schuss ging vorbei und schlug in eines der abgestellten Fluggeräte ein. Metall barst. Funken stoben.
Jemand war dem Warboss auf den Rücken gesprungen.
Luke.
In seiner Hand hielt er etwas Kleines, Metallisches. Er presste es dem Ork gegen die Schläfe.
Für einen Augenblick begriff Xelyth nicht, was sie sah.
Dann begann der Warboss mit seiner Pranke nach Luke zu schlagen.
Doch es war bereits zu spät.
Mit einem dumpfen, brutalen Knall detonierte die Granate.
Der Schädel des Warbosses zerplatzte in einer Wolke aus Knochen, Blut und verbranntem Fleisch. Splitter von Metall, Gehirnmasse und Stücke des Orks flogen in alle Richtungen. Einige klatschten heiß und feucht gegen Xelyths Haut.
Luke wurde mitgerissen.
Als der Rauch sich legte, war von ihm kaum mehr übrig als blutige Fetzen zwischen den Resten des Warbosses.
Xelyth zwang sich auf die Beine.
Für einen einzigen, bitteren Augenblick hoffte sie, dass Lukes Seele nicht an She Who Thirsts gefallen war, sondern an den toten Gott, dem seine Art noch immer Gebete nachwarf.
Dann lief sie weiter.
Sie sprang in die Valkyrie und riss die Luke hinter sich zu. Im Inneren war vieles noch nach imperialem Standard gehalten. Keine orkischen Glyphen über den Instrumenten, keine grob angeschweißten Zusatzhebel, kein kompletter Umbau der Bedienelemente.
Dank Luke hatte sich ihr Verständnis von Low Gothic in den vergangenen Monaten verbessert. Nicht genug, um elegant zu sein.
Aber genug, um die Maschine zu starten.
Sie glitt in den Pilotensitz und ließ den Blick in atemberaubender Geschwindigkeit über Anzeigen, Schalter und Kontrollrunen huschen.
Treibstoff: fast voll.
Munition: ein Teil der Waffen noch geladen.
Maschine: einsatzbereit.
Gut.
Xelyth aktivierte die Triebwerke. Die Valkyrie erwachte mit einem tiefen Dröhnen zum Leben. Vibrationen liefen durch den Rumpf. Staub und loser Schrott wirbelten vor dem Fluggerät auf.
Sie hob ab.
Hart. Nicht schön. Aber kontrolliert genug.
Dann schob sie den Schub nach vorn und ließ die Valkyrie über das Lager schießen.
Beim Überflug eröffnete niemand das Feuer auf sie.
Nicht, weil sie unbemerkt blieb.
Sondern weil die meisten Orks noch immer mit dem Hormagaunt, den einstürzenden Teilen der Arena und dem daraus geborenen herrlichen Chaos beschäftigt waren.
Xelyth beschleunigte weiter.
Das Lager fiel hinter ihr zurück.
Jetzt musste sie nur noch diesen verfluchten Planeten verlassen.
Und dann zurück nach Commorragh finden.
Da Scrap’s Over. Da End.

Warhammer-40.000-Fanfiction
Hauptfigur: Xelyth Vhaine, eine Hekatrix eines Wych-Kults aus Commorragh. Schlank, drahtig, schnell wie ein Splitter im Fleisch. Gefangen von brutalen Peinigern und dazu verdammt, in ihren Arenen um das nackte Überleben zu kämpfen. Was ihre Kerkermeister nicht begreifen: Jeder Schrei, jeder Anflug von Angst, jedes herausgerissene Stück Fleisch stillt den nagenden Hunger in ihrer Seele und hält für eine Weile She Who Thirsts fern.














Kommentar verfassen