Essener Spieletage ’SPIEL’ 2011

Die Essener Spieletage ’SPIEL’ sind (normalerweise) einer der Höhepunkte unsres Con-Jahres, aber in diesem Jahr war es leider ein sehr zwiespältiges Vergnügen.
Einer der größten Vorteile dieser Con ist, dass die Messe-Essen praktisch bei uns um die Ecke liegt, also keine Anfahrt-/Park-Kosten etc.
Die „Probleme“ fingen in diesem Jahr schon vor der Con an, erstes wurden die Preise erhöht und zweitens schafft es der Veranstalter nicht den Kartenvorverkauf per E-Ticket-Verkauf zu organisieren und deswegen ist man gezwungen die Vorverkaufsgebühren zu bezahlen oder sich Stunden lang anzustellen. Dies ist die einzige große Con/Messe/Veranstaltung die wir kennen, wo kein E- Ticket-Vorverkauf möglich ist.
Da wir wieder an alle 4 Tage da waren, sah unsere Planung folgendermaßen aus: Do./Fr. als Photograph und Spieler und Sa./So. im Cosplay und als Photograph.
Man merkte an allen Tagen das die Spiel dieses Jahr nicht in Ferienzeit fiel. Somit war es am Do/Fr. viel leerer als sonst und Sa./So viel voller als in den letzten Jahren. Aber das ist nur der Gesamt Eindruck, im Detail sah es oft ganz anders aus …

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Die „normalen“ Spielehallen ( alles außer 6 & 8 ) …
In den Hallen mit den „normalen“ Gesellschaftsspielen war es an allen Tagen immer gut gefüllt, am Wochenende natürlich besonders. Wie immer nervten die Sackkarren der Sammler. Wenn ich sehe wie viele Leute hier wie viel einkaufen, frage ich mich: Wo ist die Krise, Rezension, Euro-Panik? Bestimmt nicht hier!
Aber wieder zurück zu den Spielen, trotz der großen Ankündigungen gab es diesmal nicht viele interessante Neuheiten. Lest der Markt nach oder bin ich so kritisch geworden? Egal, die einzigen Games, die es aus meiner Sicht wert waren sich genauer anzuschauen, sind zum einen „Dreadfleet“, ein Tabeletop von GamesWorkshop. Wie bei allen Sachen von GW ist es sehr gut gemacht, vor allem die Schiffe sind extrem detailliert, aber mit 90€ nicht gerade billig. Außerdem müssen die Schiffe (wie bei GW üblich) noch selber angemalt werden. Also nur was für Leute mit Feinmotorik im µ Bereich. Im Gespräch mit anderen Leuten  am GM-Stand zeigte sich, dass wenn GW das Spiel mit fertig bemalten Schiffen für diesen Preis (oder ein paar Euro mehr) anbieten würde, hätten sie bestimmt hunderte davon verkaufen können. Eins davon dann auch an mich.
Eine andere interessante Neuheit sind die Spiele der Heroica-Reihe von Lego. Es ist eine klasse Idee ein RPG mit Lego Mitteln umzusetzen inc. der Möglichkeiten die sich aus der Ausbau- und Anpassbarkeit ergeben. In Summe ein hervorragender Einfall und genial umgesetzt. Davon haben wir direkt ein Set mitgenommen.
Einige andere viel versprechende Sachen waren leider nur als Prototypen zusehen. z.Z. die Boardgame Version von „Iron Sky“ und „M.U.L.E“ – ja genau das fast 30 Jahre alte C64er-Game als Boardgame-Version. Auch hätte ich gerne „Godzilla: Kaiju World Wars“ mir mal live angeschaut und getestet, aber leider war diese Spiel nicht vertreten.
Auffällig war, dass nicht nur mehr Publikum da war, sondern auch diese Hallen ausstellermäßig voller waren als in den letzten Jahre, so das sogar eine zusätzliche halbe Halle geöffnet war.
Aber im „frei“ Bereich war im Gegensatz hierzu erkennbar weniger los, schade denn mit der neuen Trendsportart Slackline hatte ich fest gerechnet, auch um ihn mal zu testen.
Das so weit zu den „normalen“ Spielen, Hallen und Leuten, kommen wir mal zu den Freaks …

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Freaks unter sich ( Hallen 6 & 8 ) …
Die wichtigste Halle für uns ist natürlich Halle 6, zusammen mit Halle 8 : LARP / RPG und ComicAction. Obwohl wir, durch den Hallenplan, darauf vorbereitet waren, war die Enttäuschung groß, daß sehr viele Anbieter dieses Jahr, entweder gar nicht gekommen sind (DeinLARP; Feder und Schwert; Leder-Joe etc.) oder ihre Stände extrem verkleinert hatten (Engelschmiede).
Es war auffällig, das weniger Gewandete und Cosplayer rum liefen als in den letzten Jahren, auch am Wochenende. Außerdem waren diese Halle komischerweise an allen Tagen ab ca. 17.30 fast wie leer gefegt. So entsteht der Eindruck, dass der Veranstalter die LARP / RPG-Szene wohl los werden will, bzw. das Teile der Szene dabei sind in Richtung RPC ab zuwandern und die Spiel als Messe nicht mehr nutzen will. Zum einen weil, nach meinen Infos, die Standpreise stark angezogen haben, und sich deswegen viele Aussteller nur noch eine Veranstaltung leisten wollen/können. Zum anderen weil sie bei der RPC näher an ihrer  Zielgruppe sind. Ist zwar verständlich, obwohl ich meine das die Spiel die bessere Möglichkeit ist neue LARPer/RPGler zu gewinnen. Wie schon erwähnt ist der verringerte Anteil der Gewandeten auch ein Zeichen, dass viele Besucher diesem Trend ebenfalls folgen. Sollte sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen, wäre es ein großer Verlust für die Spiel, mehr dazu in meinem Fazit.
Im Bereich der ComicAction ist diese Entwicklung ebenfalls zuerkennen, gefühlt ist dieses Jahr auch hier weniger los. Einige bekannte Händler und Künstler, welche man aus den letzten Jahren kannte habe ich diesmal vermisst. Eine gute Sache, mit einer klasse Gelegenheit Photos zu machen, fand ich die Bodypainting Aktionen am Panini Stand. Wie schon bei den Gewandeten waren, auch am sonst üblichen Cosplay-Samstag, in dieser Halle viel weniger Cosplayer zusehen, als in den letzten Jahren.
Aber trotz allem war die Atmosphäre extrem gut. Es war ruhiger und entspannter als in den anderen Hallen, kein Gedränge und Geschubse, keine quengelnden Kids. An den Ständen konnte man sehr gut schauen und einkaufen. Des weiteren trafen wir hier auch unsere Bekannten und Freunde, seien es nun Leute die wir aus dem RL kennt oder Leute die man bisher nur über Facebook kannte und jetzt zum ersten mal persönlich getroffen hat. Es haben sich auch einige neue Kontakte ergeben, vor allem am Sonntag, als wir im Kostüm unterwegs waren
Es zeigte sich, das der „neue“ Steampunk-Trend jetzt voll angekommen ist, kaum ein LARP-Stand der nicht mindeste ein Teil im Steampunk Stile hatte. Besonders gut gefallen haben mir die Handstulpen. Aber leider muss man sagen, dass das meiste wie üblich 3 Zahnräder auf braunem Leder waren, die Standard Definition von Steampunk, schade. Dabei bietet das Genre so viele Möglichkeiten.
Aber in Summe lässt sich sagen, dass es eigentlich sehr gut zuging in Halle 6. Natürlich kann die Halle 6 der SPIEL nicht mit der RPC konkurrieren. Nachdem  das Angebot, wie schon erwähnt, leider stark nach gelassen, erst recht nicht.
Eine Frage bewegt ich aber immer noch: Was machte der Truck von Microsoft der LARP/RPG Halle ??

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The Mechanical Eye (Photos)
Nach Spaceritter war die Spiel die zweite Con für meine neue Nikon D5000 und es war auch das erste mal das sich der externen Blitz unter Gefechtsbedingungen behauptet musste. Diese Kombination hat sich bestens bewehrt. Vor allem die schnelle Ladezeit des Blitzes ist eine große Hilfe.
Trotz der, wie schon erwähnt, wenigen Gewandeten und Cosplayern, habe ich wieder viele gute Photos machen können. ES sich der Trend fortgesetzt, dass ich zwar in Summe weniger Bilder als sonst gemacht habe, aber die Quote der Veröffentlichungswürdigen mit ca. 50% sich weiter gesteigert ist.
Auch wenn die LARP/Cosplay Ausbeute diesmal geringer war als sonst. Gab es aber dafür einige Bilder, von extrem gut gemachte Spielen. Auch die schon erwähnten Bodypainting-Actionen am Panini Stand waren sehr gute Gelegenheiten interessante Photos zu machen.

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Als Steampunk-Charakter  …
Am Wochenende waren wir dann wie geplant im Kostüm auf der Spiel. Ich war wieder als mein Steampunk-Charakter Ulysses McHenry im BountyHunter-Outfit, mit voller Ausrüstung, sprich Lederweste, Stiefel, Gürteltaschen, Sidearm und natürlich meinem Nerf-Steampunk-Sniper-Gewehr. Der Type am Eingang hat noch nicht mal gezuckt, auf der Gamescom hätten sie wahrscheinlich sofort die Polizei gerufen und mich festgenommen oder gleich erschossen.
Es war lustig in diesem Outfit durch die Hallen zu laufen Vor allem die Gesichter der Normalos waren Geld wert. Die Reaktionen gingen von zusammen zucken, Sätze unterbrechen bis zum hinterher schauen mit Blicken die sagen „Ich würde DAS ja auch gerne machen, traue mich aber nicht.“ oder „Freaks, Irre, Armokläufer“. Die Kids reagierten mit Aussprüchen wie „WOW!“ oder sie schauten einem einfach nur mit offenen Mündern hinterher. Aber keiner der Normalos, weder Kinder noch Erwachsene, trauten sich mich anzusprechen. Wenn jemand Photos von mir gemacht hat, dann aber nur wie ich es nenne, als walk-by-shooting. Es war wirklich lustig in den „Normalo“-Hallen …
In Halle 6 sah es im Gegensatz dazu ganz anders aus, auch hier gab es viel Blicke, die waren aber anders und die Leute haben sich auch getraut mich anzusprechen. Oft zum Posen für Photos ( Wo sind die alle eigentlich? ) oder zum Fachsimpeln “ Was ist das für eine Waffe ?“ „Oh – selber gemacht“
Dank des Kostüms hatte ich genau den gewünschten Effekt erreicht, nämlich mit Leuten ins Gespräch zu kommen, da es mir leider immer noch schwer fällt, den „Erstkontakt“ herzustellen. Solche Dinge wie Kostüm, Probs etc. sind da eine große Hilfe für mich. Jetzt muss ich diese Kontakte nur noch weiter ausbauen.
Am Sonntag haben wir dann, im Kostüm selbstverständlich, für unsere Freunde von WerkZeugs Flyer verteilt. Es war für mich eine gute und interessante Erfahrung als Waking-Act zu arbeiten. Die Leute anzusprechen kostete mich zuerst viel Überwindung, aber dann hat es richtig Spaß gemacht. Meine Waffe hatte ich in der Zeit den Leuten von Bankcroft als Schauobjekt zur Verfügung gestellt, wo sie in der Zeit eine bewunderte Attraktion war.
Das wichtigste aber es hat viel Spass gemacht im Kostüm über die Spiel zu laufen und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Cons, vor allem auf die EFF und die RPC.
Zum Glück sind es noch ein paar Monate bis dahin, denn ich muss/werde noch einiges an meinem Kostüm überarbeiten und erweiterten. „So viele Ideen, so wenig Zeit und Geld.“

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Kosten
Die Karten sind zwar teuer, aber für 4 Tage eigentlich OK, leider sind, wegen der Vorverkaufgebühren, 2 Tageskarten teurer als Dauerkarten. Bei anderen Cons zahlt man für nur 2 Tage oft genauso viel oder mehr. Aber bei der Spiel gibt es auch viele Hallen und Aussteller die einen gar nicht oder nur teilweise interessieren. Und so relativiert sich das ganze noch mehr und wenn sich der, für uns interessante Teil noch weiter verkleinert, wird es sich fast nicht mehr lohnen dort für die ganze Zeit hinzugehen.
Die Preise für Essen sind zwar angemessen, aber die Qualität ist typische Messe, harte Brezel, Pommes entweder noch fast roh oder steinhart und die Currywurst ist von CurryKing. Aber wirklich unverschämt sind die Preise für Getränke und gerade bei der %$§&-Klimaanlage muss man viel trinken.

Das Essen

The Loot …
Neben den klassischen Sachen wie, trotz allem, viel Spaß, viele Photos und die obligatorische Erkältung, haben wir auch noch einige gute Sachen erbeutet, dieses mal vor allem mal Sachen für unsere Kostüme. Messer, Taschen, Gürtel etc. und noch Figuren, Comics, Met und Drachen- und Katzen-Ausstechformen.

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Nachwirkungen
Wie immer nach der Spiel hat uns auch diesmal unsere berühmt berüchtigte Spiel-Erkältung erwischt. Diesmal etwas verzögert, aber darum um so heftiger. Seit 4 Jahren habe ich/wir jedes mal eine Erkältung nach der Spiel, das kann doch nicht normal sein.
Man könnte fast an eine Verschwörungstheorie glauben, denn viele (fast alle) Leute die wir kennen haben jedes Jahr nach der Spiel eine Erkältung. Interessanterweise sind das alles Leute, die sich, wie wir, fast nur in der Halle 6 aufhalten! Und nach den Geschichten bezüglich der LARP und RPGs Entwicklung auf der Spiel, worüber man z.Z. viel liest, ist die Idee einer Verschwörungstheorie bezüglich der Klimaanlage in Halle 6/8 möglicherweise vielleicht doch nicht so weit hergeholt. *g*

Fazit
Eigentlich war es eine gute Con, aber auf Grund der genannten Probleme (weniger LARP; Klimaanlagen, etc) lohnt es sich eigentlich nicht mehr die ganzen vier Tage hinzugehen, aber auf Grund der Vorverkaufsgebühren sind aber 2 Tagestickets teurer als eine Dauerkarte. Sollte sich abzeichnen, dass im nächsten Jahr noch weniger LARP Aussteller da sind und so mit auch weniger Gewandete / Cosplayer, werden wir wohl nicht mehr hingehen oder höchstens für einen Tag und mit dem gesparten Geld besser zur F.A.C.T.S. und/oder Ring*Con fahren. Auch Phototechnisch wäre es kein großer Verlust, da es immer weniger gute Motive gibt und auch die Möglichkeiten ( gute Hintergründe / Locations, Platz, etc ) sehr beschränkt sind. Gute Photos von bekannten Models, Bodypaintern und Gewandeten / Cosplayern, kann ich auf der RPC, EFF oder anderen Cons besser machen. Auf die Bilder von den „Normalen“-Gesellschaftsspielen kann ich auch verzichten und detaillierte Tabeletops gibt es auch auf der RPC und Feencon zu photographieren.
Als Gruß und Tipp an die SPIEL-Orga:
Die ganzen Jahre auf der Spiel waren eine schöne Zeit, aber SO geht’s es leider nicht mehr weiter. Wenn ihr wirklich plant aus der Spiel eine reine Gesellschaftsspiel-Messe zu machen  und so sieht es z.Z. wirklich aus, seit ihr auf dem richtigen Weg. Nur werdet ihr dann viele (kaufkräftige) LARPer / RPGler und ComicFans verlieren.
Wenn dies wirklich euer Ziel ist, viel Erfolg, aber ohne uns!

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Ein Gedanke zu „Essener Spieletage ’SPIEL’ 2011

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