Steampunk Interview

Vor ein paar Wochen fragte mich eine Bekannte, welche Historisch orientierte Kulturwissenschaften an der Universität des Saarlandes studiert. Ob ich im Rahmen ihrer Arbeit zur Kunstgeschichte ein Interview zum Thema „Steampunk“ geben würde.
Selbst verständlich habe ich zugesagt und hier sind die Fragen und meine Antworten :

– Wie würdest Du Steampunk definieren?

Es ist nach meiner Definition, wie alle „…-punks“, eine Kombination von Retro-Futurismus und Alternativweltgeschichten.
Steampunk ist für mich eine alternative Version der Zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts. Eine Welt in der, das was in der Realen Welt nie über den Status von Ideen, Visionen und Spinnereien hinaus gekommen ist, umgesetzt wurde, funktioniert hat und massenhaft verbreitet/eingesetzt wurde.
z.B. : Für einen ITler ist die Vorstellung das Charles Babbage’s Analytical Engine wirklich gebaut und massenhaft verbreitet worden wäre extrem faszinierend. Den dann wäre das Informationszeitalter der 1980er/1990er ca. 120 Jahre früher eingetreten, mit allen seinen Konsequenzen. Das gleiche gilt für andere Technische Ideen wie Dampfwagen, Dampfbetriebene Luftschiffe, etc.
Auch politisch würde diese Welt anders aussehen. Das Britische Empire wäre, aufgrund seiner technischen Überlegenheit, noch mächtiger als in Wirklichkeit. Vergleichbar mit dem Status und Einfluss der USA in den realen 1980er.
So verstehe ich Steampunk. Mir ist bekannt das es auch noch andere Definitionen gibt, z.B. eine Post-Apokalyptische-Welt nach einem EMP-Krieg, also eine Welt ohne Strom. Dies ist auch eine interessante Vorstellung, aber mir sagt die Victorianische Definition mehr zu.
Vor allem ist Steampunk für mich weit mehr als Zahnräder an Schweißerbrillen, oder wie es eine Zeitung geschrieben hat „Wenn Goths braun entdecken.“ (furchtbarer Satz!).

– Wie und wann kamst Du mit Steampunk in Berührung?
Da Jules Verne nicht zum Steampunk gezählt wird, ist die Disney Verfilmung von „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1954) nicht meine erste Berührung mit Steampunk.
Sondern der erste und gleichzeitig wichtigste Kontakt ist Anfang der 90’er der Roman „The Difference Engine“ von William Gibson und Bruce Sterling, Aus heutiger Sicht DAS Standard Werk des Steampunks.
Das tiefer gehende Interesse kam dann durch die Filme „Wild Wild West“ und “ The League of Extraordinary Gentlemen„.
Nach dem ich einige Zeit später Bilder von Steampunk-Style-PCs und -Gadgets im Internet gesehen hatte, war ich endgültig so fasziniert von diesem Genre, so daß mich dieses Thema nicht mehr losgelassen hat.

– Wo findet sich Steampunk in Deinem alltäglichen Leben?
Steampunk spiegelt sich in meinem alltäglichen Leben oft nur in Kleinlichkeiten wieder, also keine umgebauten PCs, Ipods etc., und dann hat es sich meistens aus praktischen Gesichtspunkten ergeben.
Z.B. das GUI-Theme auf meinem Smartphone; meine Profilbilder in den Netzwerken, aber eher weil gute Photos von mir selten sind; für meine Visitenkarten nutze ich ein Steampunk-Typo, weil ich oft im Kostüm bin wenn ich sie übergebe. Außerdem natürlich die ständige Suche nach Dingen, die ich in die Kostüme und Accessoires einbauen kann. Auch geistern mir oft Idee für Steampunkgeschichten durch den Kopf, leider finde ich nie die Zeit sie nieder zuschreiben, aber dadurch bekommt mein Steampunk-Alter Ego eine passende Hintergrundgeschichte.

– Was ist das Besondere oder auch Faszinierende für Dich am Steampunk?
Es ist die Kombination von Retro-Futurismus und Alternativweltgeschichten welche mich fasziniert. Es ist nicht so Pulp-ig wie Dieselpunk ( was an sich nichts negatives ist ) oder so glatt und spießig wie Atompunk. Steampunk ist auch etwas wo man sich modemassig sehr gut „austoben“ kann, vor allem als Mann. Und natürlich wie schon erwähnt die Ideen, die Erfindungen, der Style, halt das ganze look and feel.

– Wie kamst Du auf die Idee mit Steampunk-Elementen zu arbeiten?
Eigentlich aus einer Not heraus, eins meiner Hobbys ist die Event-, LARP- und Cosplay-Photographie und so kam die Idee auf Cons auch selber im Kostüm aufzutreten, dadurch hat man zu seinen Models ein ganz anders Verhältnis und bleibt auch besser bei den Leuten in Erinnerung.
Das Problem war es nun ein Kostüm zu finden bei dem die Kamera gut mit ins Konzept passt. Die besten Ideen waren Steampunk oder Reporter des Arkham Advertiser. Als ich durch Zufall einen, zum Steampunk passenden, Gehrock gefunden hatte, ergab sich der Rest fast von selbst: Hose, Schuhe, Hut, Waffe, etc.. Besonders wichtig ist es für mich Amerikanische/Californische und Lovecraft Elemente einzubauen und das es technisch „Sinn“ macht. Also nicht nur irgendwo drei Zahnräder dran zukleben ohne erkennbare Funktion.
Auf dieser Basis haben sich bis jetzt drei Kostüme, drei Nerf-Umbauten (Nummer 4 ist in Planung) und einige Accessoires ergeben.

– Wenn Du an Steampunk denkst, welche Zukunft hat dieses bisher leider wenig bekannte Genre für Film, Literatur, Musik und Kunst?
Ich persönlich gebe Steampunk eine gute Zukunft, es wird, nach dem Superhelden-Hype, das nächste große Ding in Hollywood werden. Die Spaten-TV-Sender (HBO, syfy) in den USA fangen schon an Sachen in dieser Richtung zu produzieren und zu senden (z.B. Riese ).
In der Literatur ist es schon der große Hype, wenn schon Ketten wie Thalia Sonderwerbung damit machen.
Genauso ist es in der Kunst, wenn das Wort Steampunk allein bei deviantART 172964 Treffer bringt, ist das für mich ein Eindeutiges Zeichen, das sich viele Künstler damit jetzt schon befassen.
Im Bereich Musik scheinen die Künstler sich, nach meiner Einschätzung, noch etwas schwer zu tun, mir sind nur wenige Stücke („The Steam Song“ von Violet Tribe ) bekannt, die sich damit befassen. Vielleicht liegt es aber auch daran, das ich persönlich eher ein optischer Mensch bin.
Was ich vermisse sind gute Computergames zu diesem Thema, es gibt viel Games die Elemente davon aufgreifen oder schlecht gemachte Korea-F2P-MMOs, aber leider hat sich noch kein Großer Publischer daran gewagt. Dabei würden bestimmt viele Leute für z.B. ein gut gemachtes Steampunk-MMO monatliche Gebühren zahlen.
Zusammenfassend würde ich sagen, das gerade in Bereichen Kunst und Literatur das Genre schon gut angekommen und bekannt ist und der Bereich Film wird sicher bald folgen.

– Welche Rolle könnte Steampunk kulturhistorisch spielen?
Er wird ,wie alle -punks, als Teil des Retro-Futurismus und der Alternativweltgeschichten angesehen werden. Und somit hat es eigentlich schon seinen festen Platz in der Kulturhistorie gefunden.
Aber trotzdem wird Steampunk, wie die gesamte phantastische Kultur, vom Mainstream und vor allem vom Mainstream in Deutschland, nicht als vollwertige Kultur anerkannt werden, sondern als Spinnerei einiger weniger Verzückter. Ein Zeichen hierfür ist, daß es z.B. von den großen Deutschen Verlagen ignoriert wird. Was natürlich den kleinen Verlagen zu gute kommt.
Ich befürchte aber das, wenn dieses Genre im Mainstream angekommen ist, es verheizt werden wird. Genau so wie in den letzten Jahren Magier, Vampire und z.Z die Superhelden. Natürlich wird man es selbstverständlich als Kinderkram und/oder Pulp (im negativen Sinne) abtun. Ich schätze mal dies wird passieren, wenn die ersten Filme und Serien erscheinen die Steampunk zum Hauptthema haben, und sich auch normale Medien mehr und mehr mit dieser Subkultur befassen werden.
Genau diese Tendenz zeichnet sich jetzt schon ab z.B. das eine Normale Photozeitschrift einen Titelbericht mit dem Thema „Bilder im Retro-Stil – So fotografieren sie Steampunk“ bringt. Auch in nicht-phantastische (US-)-TV-Serien taucht das Thema schon auf (z.B.: Castle). Und schon seit längerem werden in Filmen mit/nach historischen Stoffen extrem stark Steam- und Clockwork-Punk Elemente eingebaut. z.B. Van Helsing (2004) und in der neue Verfilmung der The Three Musketeers.
Dieser Entwicklung stehe ich leider sehr zwiegespalten gegenüber, zum einem ist es gut das darüber berichtet wird und es somit bekannter gemacht wird. Aber leider zeigen meine (auch persönlichen) Erfahrungen, das der Mainstream Sachen verfälscht die er nicht verstehen will und zwar oft ins Negative.
Bestimmt wird es bald auch Berichte z.B. in RTL-Explosiv geben ala „Die ewig Gestrigen – Steampunker !“ oder Steampunker streiten sich bei Barbara Salesch um Zahnräder und Bluprints und als Höhepunkt druckt H&M ein paar Zahnräder auf ein T-Shrit und nennt es dann Steam-Edition.
Ich weis das sind nur Vermutungen und ich hoffe das ich mich vielleicht diesmal irre, aber nach meinen Erfahrungen über SciFi, Fantasy, Dark Culture, Cosplay und Gamer wird es wahrscheinlich auch diesmal genauso ablaufen.

Über mich :
– XX Jahre alt
( Sehe 10 jünger aus, fühle mich 20 Jahre jünger,
benehme mich oft als ob ich 30 Jahre  jünger wäre )
– verheiratet
– keine Kinder ( bin selber ein Kindskopf )
– seit über 22 Jahren in der IT tätig
– War schon ein Nerd lange lange bevor es cool wurde.
– SciFi, Fantasy, Manga, Steampunk,… – ich fühle mich in allen Welten wohl
– Horde, Sith, Mirror, Purple Tentacle … – ich stehe immer auf die „Bösen“
– Alles nur nicht Normal !

Mein Steampunk Alter Ego :
– Name : Ulysses McHenry
– Lebt im Jahr 1884 ( 38 Jahre alt )
– Attaché für besondere Aufgaben im Dienste der California Republic.
Gauner, Betrüger, Spion, aber mit Style. ( in Richtung Gabriel Shear )
– Reist mit seiner Japanischen Privatsekretärin um die Welt, um Aufträge für die CR
und für seine eigene Tasche zu erledigen.
– Bekennender Cultist (The Great Old One)

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